
Niederschwelliger Fantasiezugang
Wir tauchen in eine künstliche Welt ein – ist sie immersiver, je technisch genauer und bunter sie modelliert ist ? Ist 8k besser als 1k weil sie mehr Pixel hat ? Materiell gesehen ist mehr immer besser als weniger. Je mehr ein Künstler seine eigene fantastische Vorstellung seinem Zuschauer aufdrückt, desto weniger Raum lässt er ihm zum eigenen Vervollständigen. Die technisch perfekte Immersion mit niederschwelligem Fantasiezugang mutiert am Ende zu reinem Kitsch.
Das geschlossene System der Unterhaltungsindustrie
Unterhaltungsindustrie wie Hollywood ließ möglichst wenig Raum für eigene Interpretationen, im Gegensatz zum Autorenkino, das dem Zuschauer Denken und Mitdenken abverlangte. Visuell ästhetisch grenzen sich offene Systeme von geschlossenen ab. Während das geschlossene System Fantasie bevormundet, liefert die Andeutung Platz zur Interpretation und bietet inneren Dialog durch Herausforderung.
Kraft technischer Beschränkungen
Frühe Computersysteme wie ein Commodore 64 oder gar ein Commodore 16 lebten von technischen Beschränkungen – gerade deswegen entwickelte sich daraus gestalterische Kraft. Brutaler Oszillator-Chip-Sound, wenige reine RGB-Farben und eine rohe Pixelwelt verlangte viel Fantasie vom Spielenden, um sie zu glätten und mit Leben zu füllen – eben jener Dialog mit Andeutungen.
Brutale Pixelrealität und sägende Oszillatoren
Gegensätzlich dazu wurden die Cover jener Computerspiele in matten und matschigen Printfarben verschämt traditionell und detailiert gestaltet. Eine für Fantasielose und Blinde illustrierte Welt, die möglichst gegenständlich die brutale Pixelrealität eines 320 x 200 Screens in 16 Farben mit zwei sägenden Oszillatoren vergeblich versuchte zu erklären, während ihre Benutzer aufjubelten. Auf dem heimischen Fernsehapparat zerstörte der Heimcomputer den einseitigen medialen Informationsfluss ohne Rückkanal.
Gestaltpsychologischer Assembler
Die Macher dieser Spiele mussten die 16 Kilobyte eines C16 bis ins Äußerste auf Assemblerebene – also in reiner Maschinensprache – manipulieren, um dem zeilenbasierten System Spielewelten zu entlocken. Die Grafik war gestaltpsychologisch zweidimensional klar und oft ähnlich kraftvoll wie gute Logos, die von Reduktion leben. mit wenigen verfügbaren Farben, mit starken grafischen Mustern, um mehr Zwischentöne zu erzeugen, erinnert diese frühe Phase der Computergrafik an Kinderzeichnungen auf Drogen. Einer dieser epischen Spiele war Tom, der die grafisch und farblich expressive Unterwelt einer Pyramide mit seltsamen Wesen durchquerte. Weniger ist doch mehr – wie auch schon die Pioniere des Bauhauses wie Walter Gropius wussten.
19.0.2020
Weitere Artikel

What You See Is Not What You Write

Miguel Chevaliers digitale Welten im Grand Palais Immersif

Hommage an einen Visionär der Mode: Christian Dior

Blick in die Zukunft immersiver Kunst

Sardinen wie Sand am Meer, die Fischmetropole Frankreichs

Geist in der Maschine: Bereit für digitale Transformation ?

Wenn DALL-E und ChatGPT zusamen rappen

Texter warm anziehen und ChatGPT spazieren führen

Wo ist Party, Digga ???

Ion zum Best Art & Experiment Fulldomefilm gekürt

Zwangsjacke des Corporate Design

VR One (But Many) Ausstellung

Im Visier: Antisemitismus in Deutschland

Kopfschmerzen vom Gaming

Fulldomefestival Motus in Taiwan zeigt Circle Circus

Absurdität als existenzielle Einsicht

It makes little difference what kind of man you are

Vom TV-Zombie zum Socialmediajunkie

Buffer Overflow des preußischen Sortierzwangs

Abflug ins Nirvana

Gelbschirme, Gelbwesten, wegen Geld auf die Straße

Gestaltpsychologischer Assembler früher Computerspiele

Internationales Fulldome Streaming Festival zeigt beyond

Coronaparty im Zombiemodus

Das moorsche Sklavenschiff amerikanischer Utilitaristen

Blitzlichtgewitter auf der Luminale in Frankfurt

Augenartists und Autofonts: Zachary Lieberman hilft Sprayern und Toyota

Wo Licht ist, ist auch Schatten: das Immersive Art Festival in Paris

Medium nicht Werkzeug

Jenseits von Gut und Böse

Zwischen Henry Ford und Charles Darwin: Die Bienenkönigin Neri Oxman

Polyeder und Photonen

Einmal Rolle rückwärts

Konservativ oder subversiv bis auf die Knochen

Apokalypse now

Atonal brutal

Die kleine Schwester des Bauhauses

Negativen Raum gestalten

Mit 8k gegen die Kuppelwand

Rekursive Systeme mit fundamentalen Frequenzen

Dämon in der Maschine

Internationales Fulldomefestival Jena mit aquafloat und circlecircus

Zeit ist relativ

Spacejazznights mit aquafloat

Smog auf Augen und Ohren

FFF auf Medienkunstfestival B-Seite zu sehen

Architektur und Design als gesellschaftliche Identität

Ein Raumschiff wie eine Orgel gebaut

Kann Künstliche Intelligenz kreativ sein ?

Nadeln im Heuhaufen

Die Kreisatur des Quadrats

Das Haus mit der eulerschen Zahl

Licht am Ende des Tunnels

Signale aus dem Hier und Jetzt

Die Welt kodieren

Aliens über Amsterdam

Kunst im Dunst

Mapping-Workshop mit Lucas Gutierrez

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern

Die KI-Büchse der Pandora

Die Törtchen des Walter Gropius

Von Künstlern und Wissenschaftlern

Brahms pfeift aus dem letzten Loch

Mut zur Wut Finalist 2017

Technobomben über Belgrad

Geräucherter 3D Schinken im Barockrahmen

Streetart als kulturelles Bedürfnis

Mut zur Wut Finalist 2016

Corporate Geometry

30 Jahre Plakatwettbewerb des deutschen Studentenwerks

Stuhlexperiment im Niggli-Verlag

Silber beim Creative Media Award 2014

Wien: Stadt des Ornaments und Verbrechen

Relaunch der Website marekslipek.de
