Skyline blickt in die AlpenSkyline blickt in die Alpen
Konsumrausch der Verdammnis
Eine Stadt, die nie schläft, eine Handelsmetropole, die nie ruht. Sieben Tage die Woche kann hier shoppen, wer will. Und das bis spät in die Nacht. Ob Essen oder Einkaufen – um 22 Uhr schließen die Pforten des Konsums und des Mangiare, manche Spätis erst um 3 Uhr morgens. Der Handel spielt in Mailand eine der Religion ebenbürtige Rolle. So ist es sicher auch kein Zufall, dass der Mailänder Dom – an sich schon gigantisch dimensioniert – direkt neben dem monumentalen, ebenbürtigen Kreuztempel des Konsums thront. Die erste in Europa gebaute überdachte Galleria Vittorio Emanuele II ragt seit 1867 imposant gegen den Himmel, ebenso wie der gotische Dom am gleichen Platz. Wer hier nicht konsumiert, kommt in die Hölle der Satellitenverdamnis.
New York in Italien
Wer durch die teils schnurgeraden, mehrspurigen Straßenzüge schaut, entdeckt mehr als einmal Hochhauskulissen. Zusammen mit elektronischen, überdimensionalen Billboardfassaden an altehrwürdiger, mit Stuck versehener, parisartiger Blockarchitektur beschleicht einen das Gefühl, man befinde sich im New York Südeuropas. Die dezentralen Hochhausviertel durchmischen sich mit der teils heruntergekommenen Fassade rauer Viertel einer Großstadt mit südlichem Flair.
Bis zu den Alpen
Besonders beeindruckt hat mich der Blick über die Stadt bis hin zu den Alpen mit schneebedeckten Gipfeln, so weit das Auge bei klarem Wetter sehen kann, vom Turm der Fondazione Prada aus – kontrastiert vom im Bau befindlichen, spiegelglatten Gurkentower im Vordergrund und der Skyline Mailands. Prada hat hier ein ehemaliges Industriegelände in ein exzellentes Architekturerlebnis verwandelt und widmet sich zeitgenössischen Künstlern in mehreren über das Gelände verteilten Gebäuden. Eines davon ist ganz in Gold bis zur Dachrinne bemalt. Der historische Speicher aus Gold ragt wie ein bunter Hund in einem Pitura-Metafisica-Gemälde auf elegant-protzige Art aus der Umgebung hervor.
Fast umstürzend skulptural
In Größe dem Dom und der Einkaufspassage gleichend ist der Pirelli-Hangar am nördlichen Stadtrand. Anselm Kiefer zeigt in einer der Hallen seine kolossale Rauminstallation mit in die Höhe gestapelten, skulpturalen Betonblöcken, die fragil, fast umstürzend bis zur meterhohen Industriehallendecke reichen. Ein ikonisches Werk in Mailand in besonderer Umgebung. Der Pirelli-Hangar widmet sich in den anderen Hallen gegenwärtiger audiovisueller Medienkunst.
In Mode gekommen
Industriegebäude in Ausstellungsflächen umzuwandeln scheint in Mailand Mode zu sein. Die kürzlich verstorbene Modeikone Giorgio Armani hat sich ebenfalls ein Denkmal in Form eines Modemuseums gesetzt. Multimedial inszeniert kann man hier ausgiebig die Haute Couture des Designers auf mehreren Stockwerken in den Armani-Silos erkunden. Deutlich wird, wie Armani verschiedene Ethnien von Indien über Afrika bis hin zu Spanien und Japan über Farbe, Form, Linie, Material, Applikationen und Licht inszeniert hat. Das dafür speziell gegründete Label Armani Privé zeigt hier sein Schaffen der letzten zwanzig Jahre vor meist schwarzer Kulisse.
Überraschend puristisch
Mailand bietet eine interessante Mischung aus rauer Industriemetropole, hochkarätigen Kunstbunkern, innovativen Wohnprojekten wie dem Bosco Verticale, einem begrünten Hochhausduo, und spiegelnden Wolkenkratzern, begleitet vom typisch italienischen Essen, das zwar bekannt, jedoch im Ursprungsland noch einmal überraschend puristischer zubereitet wird.
11.01.2026
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