What You See Is Not What You WriteWhat You See Is Not What You Write
Künstliche Maschine als Meister ästhetischer Kopie
AIs sind hochspezialisierte aufgabengebundene Netzwerke. Ihr Talent? Die perfekte Reproduktion von Bildmustern. Ihre Schwäche? Fehlende Semantik. Ohne ein solides Konzept bleibt das Ergebnis ein vorhersehbares Klischee. Der Prompt liefert die Idee, die Maschine setzt sie um. Doch die Translationshürde zwischen Prompt und Bild ist hoch. Wer einen detaillierten Promptroman verfasst, wird mit widersprüchlichen, erratischen Bildvorschlägen bestraft. Wer zu vage bleibt, erhält generische Massenware. Die intelligente Mustererkennung der Systeme gleicht einer ästhetischen Kopiermaschine, die existierende Werke analysiert und reproduziert – wenn auch zuweilen mit unterschiedlichem Erfolg. Stilistische Perfektion kann dabei schnell in den Verdacht des juristischen Plagiats durch statistische Referenzen geraten. Denn wessen Stil wird hier wirklich genutzt ? Und inwiefern ist das Training dieser Systeme ein undurchsichtiger Datenraubzug ?
Grenzen des Prompts: Was du schreibst, ist nicht, was du bekommst
What you write, is what you see, but you don’t know what the machine sees: Der Prompt ist nicht nur Werkzeug, sondern auch Limitierung zugleich. Zwischen sprachlicher Beschreibung und visuellem Ergebnis klafft eine Lücke. Der Prompter ist gefangen zwischen semantischer Lyrik und pragmatischer Kürze. Dabei lassen sich zwei wesentliche Kategorien von Prompts unterscheiden. Der Styleprompt legt syntaktisch den visuellen Stil fest. Der Inhaltsprompt bestimmt das Motiv und damit das semantische Konzept. Der Inhaltsprompt gelingt über Sprache solange die Szenerie übersichtlich bleibt. Mit zunehmender Komplexität und Akteueren im Bild wird das Ergebnis unvorhersehbar und oft nicht genau steuerbar – im Grunde ein Albtraum im Produktionsprozess. Sowohl Glück als auch Geduld werden beim KI-basierten Entwerfen gebraucht. Effiziente und zielgerichtete Werkzeuge sehen anders aus.
Der Styleprompt ist sogar noch deutlich komplizierter sprachlich zu beschreiben als der Inhaltsprompt. Gestalter haben oft sehr spezifische Vorstellungen von Stilistik, die sich mit Sprache nur bedingt beschreiben lassen. Nur Prompter ohne visuelles Interesse geben sich mit den Stilistikvorschlägen einer KI-Maschine zufrieden. KI kopiert Stil oberflächlich formal – weil Sie die Inhaltlichkeit einer Gestaltungsrichtung nicht verstehen kann – daher sehen Kopien bekannter Künstler oft enttäuschend aus. Gestaltung visualisiert jedoch in erster Linie einen Denkprozess und keine formal oberflächliche Spielerei. Zudem produziert KI mit Vorliebe visuell spektakuläre, aber inhaltlich oft absurde Bilder. Die überbordende fantastische Assoziationstendenz der Systeme sorgt für hollywoodreife Bildwelten künstlicher Kinderzimmerproduzenten. Im Design verwendete Kreativität ist jedoch oft subtiler und muss meist auch noch genau gesteuert werden können, um ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen.
KI-Dilemma der Energieverschwendung für Mittelmaß
Künstliche Bildgenerierung ist ressourcenintensiv. Der hohe Energieverbrauch künstlicher Bildgeneratoren steht nicht immer im Verhältnis zum erzielten Ergebnis. Ohne klare ästhetische Referenzen, iterative Promptverbesserung und gezielte Varianzkorrekturen bleibt das Resultat bloßes Mittelmaß. Es ist paradox: Um die Bildlücken der Technologie zu kaschieren, muss der Mensch eingreifen – sei es durch aufwändiges Prompting oder Bildrefernzen, die Ästhetik erst numerisch für eine KI verwertbar machen.
KI-Agenten sind Werkzeuge visueller Konzeptgestalter
Letztlich bleibt die Frage: Welche Art von Intelligenz steckt in KI ? Keine konzeptionell kreative Intelligenz, eher eine stochastisch-technische Bildgenerierungsintelligenz, die dem Benutzer den formalen Teil der Darstellungskreativität abnimmt. Sie vermengt Inhalte auf statistischer Ebene, ohne sie im Kern zu verstehen. Gezielte Semantik entsteht nur dort, wo der Mensch sie gezielt vom System einfordert. Mit individuellen ästhetischen Referenzbildern, eigenen Loras und kreativer Kombination verschiedener KI-Spezialisten, um komplexere Gestaltungsaufgaben zu lösen, kann jedoch KI zu einem mächtigen Werkzeug werden. Aber ohne starkes Konzept bleibt auch das beste Tool nur ein rein technisch formaler Bildgenerator, der seine Nutzer entweder in Konzeptstärke oder in ideenloser Oberflächlichkeit spiegelt.
30.03.2025
Weitere Artikel
Skyline blickt in die Alpen
Sandsturm über Paris
What You See Is Not What You Write
Miguel Chevaliers digitale Welten im Grand Palais Immersif
Hommage an einen Visionär der Mode: Christian Dior
Blick in die Zukunft immersiver Kunst
Sardinen wie Sand am Meer, die Fischmetropole Frankreichs
Geist in der Maschine: Bereit für digitale Transformation ?
Wenn DALL-E und ChatGPT zusamen rappen
Texter warm anziehen und ChatGPT spazieren führen
Wo ist Party, Digga ???
Ion zum Best Art & Experiment Fulldomefilm gekürt
Zwangsjacke des Corporate Design
VR One (But Many) Ausstellung
Im Visier: Antisemitismus in Deutschland
Kopfschmerzen vom Gaming
Fulldomefestival Motus in Taiwan zeigt Circle Circus
Absurdität als existenzielle Einsicht
It makes little difference what kind of man you are
Vom TV-Zombie zum Socialmediajunkie
Buffer Overflow des preußischen Sortierzwangs
Abflug ins Nirvana
Gelbschirme, Gelbwesten, wegen Geld auf die Straße
Gestaltpsychologischer Assembler früher Computerspiele
Internationales Fulldome Streaming Festival zeigt beyond
Coronaparty im Zombiemodus
Das moorsche Sklavenschiff amerikanischer Utilitaristen
Blitzlichtgewitter auf der Luminale in Frankfurt
Augenartists und Autofonts: Zachary Lieberman hilft Sprayern und Toyota
Wo Licht ist, ist auch Schatten: das Immersive Art Festival in Paris
Medium nicht Werkzeug
Jenseits von Gut und Böse
Zwischen Henry Ford und Charles Darwin: Die Bienenkönigin Neri Oxman
Polyeder und Photonen
Einmal Rolle rückwärts
Konservativ oder subversiv bis auf die Knochen
Apokalypse now
Atonal brutal
Die kleine Schwester des Bauhauses
Negativen Raum gestalten
Mit 8k gegen die Kuppelwand
Rekursive Systeme mit fundamentalen Frequenzen
Dämon in der Maschine
Internationales Fulldomefestival Jena mit aquafloat und circlecircus
Zeit ist relativ
Spacejazznights mit aquafloat
Smog auf Augen und Ohren
FFF auf Medienkunstfestival B-Seite zu sehen
Architektur und Design als gesellschaftliche Identität
Ein Raumschiff wie eine Orgel gebaut
Kann Künstliche Intelligenz kreativ sein ?
Nadeln im Heuhaufen
Die Kreisatur des Quadrats
Das Haus mit der eulerschen Zahl
Licht am Ende des Tunnels
Signale aus dem Hier und Jetzt
Die Welt kodieren
Aliens über Amsterdam
Kunst im Dunst
Mapping-Workshop mit Lucas Gutierrez
Die Spatzen pfeifen es von den Dächern
Die KI-Büchse der Pandora
Die Törtchen des Walter Gropius
Von Künstlern und Wissenschaftlern
Brahms pfeift aus dem letzten Loch
Mut zur Wut Finalist 2017
Technobomben über Belgrad
Geräucherter 3D Schinken im Barockrahmen
Streetart als kulturelles Bedürfnis
Mut zur Wut Finalist 2016
Corporate Geometry
30 Jahre Plakatwettbewerb des deutschen Studentenwerks
Stuhlexperiment im Niggli-Verlag
Silber beim Creative Media Award 2014
Wien: Stadt des Ornaments und Verbrechen
Relaunch der Website marekslipek.de