+/m
:T/
< Workshop
DTP1

–––
DTP1

Desktop Publishing Grundlagen

Desktop Publishing ist die rechnergestützte Herstellung von Typografie mit dem Ziel eines physikalisch anfassbaren Objekts. Dabei werden Schrift und Bildelemente im Gegensatz zur Textverarbeitung frei auf einer Formatfläche angeordnet. Die digitalen Daten werden im Anschluss meist auf Papier zu Faltblättern, Prospekten, Büchern und Zeitschriften materialisiert.

Typografie lässt sich in eine Makroebene und Mikroebene unterteilen und untersuchen. Typografie macht Anleihen bei anderen Wissenschaften und wird hauptsächlich von Proportionslehre, Harmonielehre, Gestaltpsychologie und Technik bestimmt. Typografie ist Anschauung mit ausführlichem Regelwerk.

–––
Abstand

Blickführung der Augen beim Lesen

Die Qualität eines Satzes wird hauptsächlich vom Gesetz der Nähe bestimmt. Buchstaben formieren sich durch Nähe zu Wörtern, Wörter grenzen sich durch Abstand zueinander wiederrum ab. Wörter in Zusammenspiel mit Abständen gruppieren sich durch Nähe ihrerseits zu Zeilen. Zeilen grenzen sich durch Abstand zueinander erneut wiederrum ab. Zeilen formieren sich durch Nähe ihrerseits zu Absätzen. Absätze distanzieren sich durch Abstand.

Es lässt sich festhalten: Typografie ist ein komplexes Gefüge kleiner und großer optischer Zahnräder, das den Blick des Betrachters beim Lesen durch die Informationsmenge in bewusster Weise führt. Auf der Mikroebene sprechen wir dabei vom Satz, auf der Makroebene vom Layout. Wir wollen uns hier mit dem Satz beschäftigen und die Paramater thematisieren, die seine Qualität beeinflussen.


Einstellungen von Abständen in einer Satzkolumne bewirken eine Veränderung des sogenannten Grauwerts derselben. Wenn wir unsere Augen leicht zusammenkneifen, verschwimmt der Buchstabensalat zu einer Fläche mit Graufärbung – der Grauwert. Typografie wird oft als spröde Kunst bezeichnet und darin liegt auch ihr Reiz. Die Grauwertwirkung ergibt sich teils aus funktionalen Aspekten zur Erreichung von optimaler Lesbarkeit. Zum anderen können wir auch bewusst Grauwerkunterschiede als Kontrastmittel einsetzen und kombinieren, zum Beispiel durch das Mischen von Satzkolumnen mit unterschiedlichen Schriftschnitten.

Wir erfassen Wortkonturen

Unsere Wahrnehmung wird weitgehend von Mustererkennung bestimmt. Ein sequentieller Scanvorgang würde einen Satz Buchstabe für Buchstabe aufnehmen und erst im Anschluss Wörter darin erkennen. Nicht so der Mensch: dieser sieht vielmehr Ganzheiten in Form von Wortkonturen beim Lesen. Charakteristische Wortkonturen bilden sich durch Ober- und Unterlängen von Buchstaben in einem gemischten Satz mit Klein- und Großschreibung. Lesen ist also nichts anderes als Mustererkennung.

Manche Wörter haben gleiche Wortkonturen. Um eine optisch korrekte Wortkontur zu bilden, darf der Zeichenabstand weder zu groß noch zu klein sein. Ist er zu klein, können wir die Einzelbuchstaben nicht mehr erkennen und Wörter mit gleichen Wortkonturen nicht mehr unterscheiden. Ist er zu groß bilden sich keine Wortkonturen mehr.


Unsere Augen gleiten von Wort zu Wort

Unsere Augen gleiten beim Lesen von Wortkontur zu Wortkontur – in sogenannten Sakkadensprungen. Nachweisen und beobachten lässt sich das mit speziellen Blickerfassungsgeräten. Wort für Wort, Zeile für Zeile springt unser Blick durch den Informationsfluss. Je reibungsloser dieser Vorgang geschieht, desto besser haben wir unsere Arbeit als Typografen geleistet.

Ein kritischer Augenblick ist der Sprung vom Ende der Zeile zum Beginn der nächsten Zeile. Hier müssen unsere Augen eine weite Strecke zurücklegen und einen Anschlusspunkt treffsicher finden.

Als Typografen können wir lernen, unser eigenes Sehen zu beobachten und zu spüren, indem wir unsere Aufmerksamkeit beim Lesen auf den physiologischen Vorgang der Sakkadensprünge konzentrieren. Wenn wir uns erst einmal daran gewöhnt haben, unser eigenes Lesen zu analysieren, können wir die Qualität eines Satzes noch besser beurteilen – auch ganz ohne spezielle Blickerfassungsgeräte.

Leseführung

Typografie strukturiert Information in kleine bekömmliche Häppchen. Die Satzkolumne ist solch ein optischer Fingerfood. Unsere Aufgabe besteht hierin, den Blick des Lesers von Wort zu Wort und von Zeile zu Zeile in bestmöglicher Weise zu führen.

Ergonomische Typografie ist unsichtbar. Wir merken sie erst dann, wenn sie unergonomisch gesetzt ist und unsere Blickführung stört. Häufigstes Symptom ist Stolpern beim Zeilenwechsel durch zu geringen Zeilenabstand. Das bewirkt wiederrum Abbremsen des Leseflusses beim Zeilenwechsel, um die nächste Zeile wiederzufinden. Das Abbremsen kostet Zeit bei der Informationserfassung. Auf ein Buch hochgerechnet summieren sich diese Mikrozeiten zu Minuten und zu Stunden, die unergonomischen Satz vom ergonomischen unterscheiden. Die Satzqualität trägt grundlegend zur Geschwindigkeit der Informationserfassung bei.

 

Von Grundlinie zu Grundlinie

Der Zeilenabstand wird von Grundlinie zu Grundline gemessen.

Parameter

Es gibt verschiedenste Stellschrauben für die Qualität von Satz. Die offensichtlichsten sind der Zeilenabstand im Zusammenspiel mit dem Wortabstand. Beide bilden auf der Makroebene bereits sichtbare Effekte, die sich zugleich auf der Mikroebene auswirken.

Wortabstand und Zeilenabstand

Damit das Gesetz der Nähe, Wörter zu Zeilen bilden kann und Zeilen von Zeilen optisch trennen kann, muss der Wortabstand geringer als der Zeilenabstand sein. Ist der Wortabstand zu gering klumpen die Wortkonturen aneinander und der Sakkadensprung misslingt. Ist der Wortabstand zu groß, läuft er Gefahr größer zu sein als der Zeilenabstand und die Zeilenbildung glückt nicht. Stattdessen bilden sich zufällige vertikale Gruppierungen nach dem Gesetz der Nähe, Bächlein im Satzgefüge, wenn wir uns auf den Zwischenraum konzentrieren. Das Optimum beim Satz spielt sich in der Regel in wohldefinierter Abstandsvarianz ab – weder zu wenig noch zu viel.

Zeichenanzahl

Die Zeichenanzahl in einer Satzkolumne wirkt sich unmittelbar auf den Zeilenabstand aus. Je mehr länger die Zeilen werden, desto mühsamer wird es für unsere Augen die Anschlusszeile wiederzufinden. Je mehr Zeichen in einer Zeile, desto größer muss der Zeilenabstand werden, um eine ergonomische Zeilenführung zu gewährleisten. Optimalerweise ist eine Satzkolumne 60 bis 80 Zeichen lang. Minimalerweise beträgt sie 35 bis 40 Zeichen. Wobei sich Flattersatz gegenüber Blocksatz als robuster bei kurzen Zeile erweist.

Auswirkungen des Fontrasters auf Abstände

Die geometrischen Proportionsverhätnisse einer Schrift wirken sich unmittelbar auf Zeilenabstände, Zeichenabstände und Wortabstände aus. Die unterschiedlichen Proportionsverhältnisse werden in einem Fontraster festhalten. Das Fontraster bildet die Eckkonstanten eines Satzgefüges. Insbesondere die x-Höhe kann bei Schriften sehr unterschiedlich gestaltet sein. Dieses optische Mittelband nimmt in einem Satz unterschiedlich viel optischen Raum ein.

x-Höhe im Verhältnis zum Zeilenabstand

Bei gleichbleibendem Zeilenabstand und variierenden x-Höhe einer Schrift verbraucht ein hohes Mittelband optisch mehr Raum. Der Zeilenabstand ist bei Schriften mit großer x-Höhe optisch geringer als bei Schriften mit kleiner x-Höhe. Denn: Das Verhältnis von Wortabstand zu Zeilenabstand verändert sich. Je größer die x-Höhe einer Schrift desto größer sollte der Zeilenabstand justiert werden, um eine ähnliche Wirkung im Vergleich zu einer Schrift mit kleinerer x-Höhe zu erhalten.

Schriftschnitt und Zeichenabstand

Insbesondere in Schriftfamilien können wir die Auswirkungen des Schriftschnitts auf den Zeichenabstand vergleichend beobachten. Der Schriftfläche wächst zum größten Teil nach Innen, im wesentlich geringerem Maße nach außen.

Binnenraum und Zeilenabstand

Ein dunkler Schriftschnitt bewirkt eine kompaktere Wortkontur als ein leichter Schriftschnitt. Der Sakkadensprung gelingt einfacher, weil sich Wörter besser optisch gruppieren. Um der gering schlechteren Wortkonturbildung bei leichten Schriften entgegenzuwirken, erhöhen wir den Zeilenabstand bei leichten Schriften im Gegensatz zu dunklen Schriften.

Sind Serifenschriften besser lesbar ?

Häufig wird behauptet, dass Schriften mit Serifen besser lesbar sind als ihre Groteskvarianten. Serifen stützen die Zeilenbildung. In Folge der besseren Zeilenbildung könne der Zeilenabstand im Vergleich zu einer Grotesken bei gleichbleibenden Bedingungen verringert werden.

Serifenschriften verbrauchen mehr Platz

Zunächst scheinen die Serifen die Zeilenführung tatsächlich zu verbessern. Auf den zweiten Blick verbrauchen sie jedoch mehr Platz. Schließlich nehmen sie in der Horizontalen mehr Raum ein. Infolgedessen können wir Groteskschriften enger setzen als ihre historischen Äquivalenten mit Serifen. Die enger gesetzten Groteskschriften bilden eine kompaktere Wortkontur, was ihre Lesbarkeit wiederrum erhöht. Der scheinbare Nachteil der fehlenden Serifen wird so gut wie ausgeglichen. Vor allem jedoch können wir den antiken Serifenmodellen einen erhöhten Platzbedarf attestieren, der sich direkt in einer wesentlich breiteren Satzkolumne äußert. Dieser summiert sich mit der gedruckten Menge an Papier und hat natürlich auch ökologische Folgen.

Versaliensatz mit weniger Zeilenabstand setzen

Das Fontraster unterscheidet ausdrücklich zwischen einer Oberlänge und Versalhöhe. Die Unterscheidung dient bei Groteskschriften dazu, um ein großes i von einem kleinen l zu unterscheiden. Je nach Gestaltung bleibt als einziger Hinweis nur die Höhe. Gut zu wissen: Nicht alle Schriften unterscheiden zwischen Oberlänge und Versalhöhe.

Den Versalsatz können wir im Vergleich zum gemischten Satz aufgrund konstruktiver Unterschiede im Fontraster wesentlich enger setzen. Die Oberlängen und Unterlängen im Gemischtsatz dürfen sich nicht berühren und müssen schon aufgrund dessen einen höheren Zeilenabstand einhalten. Im Versalsatz hingegen sind Versalien oft kleiner als die Oberlängen.

 

–––
Aufgabe

Aufgabe Abstand

Erstelle eine neue Musterdoppelseite mit dem Namen ohne Rastersystem. Gestalte eine eigene Doppelseite ausschließlich mit Textblöcken unterschiedlicher Zeilenlänge, Größe, Grauwert und rhythmischer Anordnung. Verwende als Quelle deinen Beitag zum Architekturglossar. Gestalte frei ohne Rastersystem. Inszeniere die Aussagen deines Architekten oder deiner Architektinn zur gestalterischen Philosophie.

–––
Screenshots

Abstand-Einstellungen in Indesign