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Studio Drift im Stedelijk Museum
Exponate aus der Einzelausstellung von
Studio Drift im Stedelijk Museum
Tropenmuseum
Installation im Eingangsbereich des
Tropenmuseums in Amsterdam
Der berühmte »Room 6o6«
Die Arne Jacobsen Suite im Hotel SAS ist bis heute mit Original­ausstattung erhalten. Wer schon immer mal wissen wollte, wie es sich anfühlt in einem 400.000 Dänische Kronen teueren Arne Jacobsen »Eggchair« zu sitzen, hat hier die Gelegen­heit dazu.
Selbst die Steckdosen sind gestaltet
Wer hier an »Kawaii« und Japan denkt, liegt richtig. Das dänische Design hat sich bereits früh an japa­nischer Kultur orientiert. Im Design­museum in Kopenhagen wird der Japan­einfluss dokumen­tiert und reicht bis ins 19te Jahr­hundert zurück. Hier lernt man, dass Dänisches Design den Jugend­stil über die Epoche hinaus kulti­viert und über die Zeit weiter abstrahiert hat.
»Mountain Dwellings«
Bjarke Ingels
»Mountain Dwellings« von Bjarke Ingels
Das innovative Terrassen­haus ist im Grunde ein treppen­förmig gestal­tetes Park­haus an dessen Oberseite sich Wohn­ein­heiten mit viel Grün und Licht befinden. Das auto­zentrierte Konzept passt gut zum gerade neu­entstehen­den Stadtteil »Ørestad«, der abgesehen von »Mountain Dwellings« oft wie mit dem Lineal gezogen wirkt.
Stadtteil »Ørestad«
Eine schnur­gerade Metro­linie über Kilometer hinweg verbindet »Ørestad« mit dem Zentrum. An einer viel­befahrenen Auto­bahn gelegen wirkt der ganze Stadt­teil eher für Autos ausgelegt. Am Reiss­brett entworfene post­moderne Über­dimensio­nalität. Hat man sich in sozia­listischen Platten­bauten wie ein Wurm gefühlt, beschleicht einen hier – vor allem zu Fuß – das Gefühl einer Amöbe, die nicht vom Fleck kommt.
»Der schwarze Diamant«
Schmidt Hammer Lassen Architekten
Das Hotel SAS von Arne Jacobsen
Dieses Hotel sorgte in den 60ern inter­national für Auf­sehen. Arne Jacobsen entwarf nicht nur das Hotel, sondern auch die gesamte Innen­ausstattung samt Stühlen. Das Multi­talent hat selbst vor Schrift­gestaltung nicht Halt gemacht, wenn auch in anderem Kontext wie dem Hotel.
»Dansk Arkitektur Center«
Das Kopenhagener Stadthaus »Industries Hus« bei Tag
Architekturgruppe Transform
Das Kopenhagener Stadthaus »Industries Hus« bei Nacht
Architekturgruppe Transform
Konzerthaus
Jean Nouvel
»Cirkelbroen« Brücke
Olafur Elliason
National Aquarium Denmark
Den Blå Planet
UN City
Streng bewacht und nur von außen einseh­bar, hat man hier nur wenig zum Lachen.
»Nordhavnen«
Ehe­malige Hafen­gebiete mit ihrem Indus­trie­charme werden im Zuge der Re­urbani­sierung als Archi­tektur­projekte des 21ten Jahr­hunderts gehan­delt. Interessant ist, inwie­weit künst­lich erzeugte Wohn­gebiete nicht nur zu reinen Schlaf­stätten verkommen, da ihnen die Durch­mischung mit gewach­senen Struk­turen fehlt.
Lichtgestaltung
Grafikdesign ist selbst im Stadtbild zu entdecken. Ähnlich wie die Kunst des Mappings wird hier – meist mit LED-Licht – die Kontur von Architektur nachts betont und grafisch interpretiert. So erscheint die Stadt in zwei Gesichtern – das eine bei Tag, das andere bei Nacht.
Line Segments Space
»Line Segments Space« von Kimchi and Chips aus Seoul ist eine filligrane Raumplastik, die mit akkuratem Mapping durch Partikelanimation und Klang zum Leben erweckt wird.
Umbra Triplicata
»Umbra Triplicata« von Laszlo Bordos ist eine Objektinstallation aus zwei Drahtgerüstquadern. Diese werfen einen echten Schatten sowie einen zweiten virtuellen Schatten, der per Projektion wandert. Beide sind zunächst nicht voneinander zu unterscheiden, ebenso der künstliche Lichtkegel der in Wirklichkeit einen Animation ist. Bordos hat bereits auf den Karlsruher Schlosslichtspielen ein beeindruckendes Mapping hingelegt.
Fokussierender Raum
»Fokussierender Raum« von Adolf Luther
Marshstepper
Monumentalperformance mit Totalverausgabung des Sängers.
Guillaume Marie mit Biberkopf und Marcel Weber
Immersive Cyberraumperformance Nervous System 2020. Ein in Plastikfolie bespannter Raum lässt Projektionslicht im Zwischenraum seltsam virtuell wirken.
Shapenoise und Pedro Maia
Visueller Open-GL-Wahnsinn
Kinlaw und Franco Franco
Industrial Trap. Italienischen Rapper Franco Franco und Sounds von Kinlaw.
Rakka von Vladislay Delay und AGF aus Finnland und Deutschland
Dystopische Soundwall von Vladislay Delay mit den Visuals von AGF. Visueller Open-GL-Wahnsinn.
Amnesia Scanner
Amnesia Scanner. Finnisches Duo in Berlin lebend. Pop trifft Gabber. Brät Hirn und Gedärme mit sonischen Bässen, Stroboskop-Explosionen und Flacker-LED-Wand.
Subassemblies von Ryoichi Kurokawa
AV-Performance des japanischen Künstlers Ryoichi Kurokawa. Mit einem Lidar-Sensor aufgenommene 3D-Laserdaten. Wir durchschreiten virtuell und akustisch begleitet Wälder und Lost Places. Die visuelle Datenmenge in Form von Voxels baut sich schichtweise auf, löst sich in fallender, verschiebender und explodierender Bewegung auf. Vor schwarzem Hintergrund wirkt die Szenerie mystisch aufgeladen. Eine atomisierte Welt zerfällt in seine Bestandteile und verdeutlicht uns Vergänglichkeit und Fragilität. Gleichzeitig verstehen wir, wie unsere Welt Stück für Stück in seinen kleinsten Bestandteilen durchforstet und digital erfasst wird. Google und Konsorten sind die Humboldts unserer Zeit.
Alive Painting von Akiko Nakayama
Akiko Nakayama visualisiert das Bruckner Orchester mit ihren analogen Farbmischungen von erstaunlicher Komplexität. Diese überträgt sie mit einer Videokamera live auf einen großen Bildschirm. Das Spiel mit physikalisch-chemischen Prozessen beeinflußt sie durch selbstgebaute computergesteuerte Ventilatoren und Luftröhrchen.
Fantasie von Quadrature
Quadrature verarbeitet Signale aus dem Weltall mit einem Radarteleskop. Ein neuronales künstliches Netzwerk sucht nach bekannten Mustern im Weltraumrauschen und übersetzt dieses in Orgeltöne.
AI-Robot
Eine künstliche Intelligenz in Erscheinung eines putzig klobigen Roboters spielt ein Konsolenvideogame aus den Achtzigern.
Last Breath von Dmitry Morozov
Als passives Instrument bezeichnet der russische Künstler Dmitry Morozov seine Orgelinstallation, die er selbst noch im Augenblick des Sterbens spielen kann.
Liminal von Louis-Philippe Rondeau aus Kanada
Das interaktive Werk von Louis-Philippe Rondeau gleicht einem Tor zwischen zwei Dimensionen. Eine Videokamera zeichnet beim Durchschreiten des Tors den Besucher auf. Visualisiert wird hier ein fortlaufender Zeitstrahl. Das Bild zeigt in der Horizontalen die Zeit und basiert auf der Timeslice-Methode. Der Film und die Installation tx-reverse von Martin Reinhart und Virgil Widrich aus Österreich basieren auf der gleichen Methode – erweitern diese auf das Medium Film. Bei Rondeau hingegen lässt sich der Entstehungsprozess leichter nachvollziehen.
Mit Lidarsensor erzeugtes Voxelbild
Ein Lidarsensor ist eine 3D-Laser-Kamera, die ihre Umgebung in 360 Grad aufnimmt. Die erfasste Umgebung wird in Voxels dargestellt. Die gescannte Umgebung wird in kleine 3D-Atome im Raster aufgelöst. Den Lidarsensor gibt es auch als tragbaren Rucksack, um beim Wandern die Umgebung aufzunehmen. Ihr vorrangiges Einsatzgebiet ist autonomes Fahren. Hierbei befindet sich die Kamera auf dem Dach eines Autos.
Kids von Michael Frei und Mario von Rickenbach aus der Schweiz
Kids ist ein Film und eine interaktive Installation, die das Partikelverhalten und menschliche Gruppendynamikprozesse untersucht. Die Figuren definieren sich durch ihre Beziehung zu ihren Nachbarn. Sie besitzen keine Charakterisierung.
Live A/V-Performance von BABii aus dem United Kingdom
BABii mit einer musikalischen Mischung aus Kawaii, Pop und Witchhouse. Wird von Death Waltz Recording vertrieben.
Silk von Silke Grabinger und anderen
In blau gekleidete Domina tanzt gegen einen männlichen Kuka-Roboter an, der in Form ihres künstlichen Ichs ihr tänzelnd gegenübertritt. Wer beherrscht hier wen ? Wer reagiert auf wen ? Die künstliche Intelligenz als Gegenspieler des Menschen wird hier als performatives Bild direkt sichtbar und erlebbar.
Putting the Pieces Back Together Again von Ralf Baecker
Kinetische Installation mit selbstorganisierendem und emergenten Verhalten. 1250 Schrittmotoren von 8 Arduino-Boards gesteuert rotieren weiße Stifte auf schwarzem Grund. Die Stiftradien sind überschneidend angelegt und die Drehrichtung ändert sich, sobald ein Stift den anderen berührt.
Modified Paradise: Dress von Another Farm aus Japan
Skulpturales Werk aus luminiszenter Seide. Unsere Pflanzen- und Tierwelt wird seit geraumer Zeit genetisch modifiziert, dessen wir uns im Grunde kaum bewußt sind. Unter den Modifizierten befindet sich auch die Seidenraupe, deren Produkt hier aus Ausgangsmaterial verwendet wird. Wo sind die moralischen Grenzen genetischer Modifikation, fragen die Künstler, selbst wenn diese Frage im Kontext dieser ästhetischen Arbeit weniger dramatisch ausfällt.
Deep Data Prototypes von Andy Gracie aus Großbritannien
Ein spekulativer astrobiologischer Versuchsaufbau, der die Überlebensfähigkeit von Pflanzen im extraterrestrischen Raum unter differenten magnetischen und spektralen Lichtbedingungen anderer Planeten testet. Diese Installation zeigt den illustrativen Charakter vieler Arbeiten in Bioart und Cyberart auf der Ars Electronica, die ähnlich wie auf der Dokumenta stark konzeptionell geprägt sind.
Doing Nothing with AI
Neuroaktive robotische Installation, die auf der Messung von EEG-Gehirnströmen von Besuchern basiert. Der Luxus des Nichtstun wird in Zeiten hektischen Aktionismus als Wert begriffen. Mit der Zeit lernt der generative Algorithmus der Maschine die Gelassenheit eines umherschweifenden Gedankens zu visualisieren. Klingt abstrakt, sieht in Bewegung geschmeidig aus.
Reading Lips von Spela Petric
Die spekulative Installation basiert auf einem Artikel aus der Zeitschrift Science. Darin wird eine in naher Zukunft mögliche Interaktion zwischen Mensch und Pflanze beschrieben. Pflanzliches Lippenlesen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz könnte in Kommunikation von Begriffen wie Weniger, Mehr und Stopp münden. Erinnert daran, dass wir im Grunde bereits von Aliens umgeben sind, jedoch nicht in der Lage sind sie zu verstehen, weil wir ihre Sprache nicht sprechen können. Wenn wir davon träumen eine intelligente Lebensart im Weltall zu finden, so suchen wir doch nur ein bestätigendes Spiegelbild unserer Selbst. Währenddessen verdauen wir die Aliens auf unserem eigenen Planeten, die wir nicht verstehen können und wollen.
Carsten Nicolai im K21
Der Künstler und Musiker Carsten Nicolai aka Alva Noto stellt derzeit vierzig seiner Werke im zeitgenössischen Museum K21 in Düsseldorf aus. Nicolai arbeitet an der Schnittstelle zwischen bildender Kunst, Naturwissenschaft und Musik.
Interaktive Dokumentation Clouds
Mit Openframeworks erstellte Dokumentation Clouds. Interviews mit einflussreichen Digitalartists, Entwicklern, Datascientists, Science-Fiction-Autoren, Bloggern, Educatorn. Unter Ihnen: Josh Nimoy (Tron), Marcus Wendt, Ramsey Nasser, Karsten Schmidt, Bruce Sterling, Jen Lowe, Memo Akten, Shantell Martin, Daniel Shiffman, Golan Levin, Jessica Rosenkratz, John Maeda, Zach Lieberman, Jer Thorp, Fernanda Viegas, Martin Wattenberg, Andres Columbri, Rachel Binx, Elliot Wood, Lauren Mccarthy, Julia Kaganskiy, Philipp Whitfield, Jesse Rosenberg, Ben Fry, Vera Glahn, Kevin Slavin, Kyle McDonald, Kyle Chayka, Satoru Higa, Regine Debatty, Sofy Yudiskaya, Theo Watson, Julian Oliver, Aaron Koblin, Patricio Gonzales Vivo, Lindsay Howard, Javier Fadul, Chris Sugrue und Karolina Sobecka.
Atelier des Lumières
Immersive Art Festival Paris
Zachary Lieberman
Generativer Künstler, Forscher und Lehrer
Einkaufen während einer Pandemie
VerkäuferInnen halten die Stellung in Supermärkten – Heilige oder Himmelfahrtskommando ? Die Inszenierung des Kassenbereichs mit Plastikvorhängen und ringförmigen Lichtern lässt einen erschaudern.

Fort­schreitende Verwässerung der Exponential­funktion. Wie hoch­prozen­tiger Schnaps der blind macht, wird solange verdünnt, bis er zum Wasser schwindet. Wer Wasser predigt, wird Schnaps trinken.

Abflug ins Nirvana

Eine Exponential­funktion gleicht einer Atom­bomben­explosion. Generativ unbrauchbar, weil sie bereits nach wenigen Pixeln den Abflug ins Nirvana startet. Unendlich­keit ist mit der Beschränkt­heit des menschlichen Gehirns gleich­zu­setzen. Unendlich­keit gleicht dem Punkt des weißen Rauschens im Verstand. Für viele eine gött­liche Weisheit, für andere die unend­liche Schwärze des Nichts im Universum.

Um so dämlicher ist es, exponen­tielles Wachstum für linear zu halten. Der Versuch einer realis­tischen Dar­stellung einer Exponential­funktion endet in einer Vertikalen im Koordinaten­system. Während der Beginn schein­bar unendlich schleicht, explodiert das Fort­schreiten in wenigen Augen­blicken. Die sprung­hafte Un­berechen­barkeit macht die Exponential­funktion un­brauchbar für generative Gestaltung.

Um exponentielles Wachstum über­haupt darzu­stellen, manipulieren wir die Exponenz durch Streckung. Der Verlauf wird verharmlost, bis er einer scheinbaren Linearität gleicht – nur so kann Exponenz überhaupt begreifbar visualisiert werden. Der Versuch Corona zu leugnen oder gar zu verharm­losen ist die Weigerung anzu­erkennen, dass unsere gelebte Realität mehr mit Mathe­matik gemeinsam hat, als wir es für gefühlt möglich halten. Nur Idioten verweigern sich mathema­tischen Realitäten. Das Glück gehört den Dummen.


14.07.2020

 

Vom TV-Zombie zum Social­media­junkie

Asoziale Medien

Soziale Medien werden asozial. Hemmungen fallen, Hass und Hetze verbrei­tet. Das große Doppel H kehrt zurück. Ist das Internet Schuld daran ? Die Filter­blase wurde von Tech­konzernen entworfen. Der Social­media­junkie löst den TV-Zombie ab. Sein Stoff ist Infor­mation und dieser wird härter und macht deutlich abhängiger. Infor­mation wird zur neuen Währungs­einheit, die von Tech­konzernen disruptiv abgeschöpft wird.


Abhängig in der Matrix

Eine höhere und längere Nutzungs­dauer bringt mehr Infor­mation ein. Je länger ich den Abhängigen in der Matrix halte, desto besser kann ich ihn ausquetschen und be­ein­flussen. Wie mache ich das ? Indem ich ihm seine Verweil­dauer möglichst attraktiv gestalte. Indem ich ihn in seiner bestehen­den Meinung bestärke und wider­spiegele. Et voila und fertig ist das Konzept zur Filter­blase.


Kunden mit verbundenen Augen

Die gefilterte und verstärkte Information ist ein schnödes Marketing­instrument der Kunden­bindungs­strategien einiger Tech­konzerne. In Verbindung mit Social Media und einer fehlenden Medien­kompetenz anscheinend eine explosive Mischung – wenn es um Politik geht. Unwillent­lich wurde hier der Grund­stein für Hass und Hetze gelegt. Und warum machen wir es ? Weil wir es können.


Mensch gegen Maschine

Das Typische an techno­logischer Disruption ist ihr Mangel an Selbst­reflektion. Mensch gegen Maschine. Kritik ist in Ordnung, solange sie intelligent geäußert wird. Meinungs­freiheit ist jedoch weder Beleidigung noch Volks­verhetzung. Die Schnellig­keit des Mediums macht eine juris­tische Aufbereitung so gut wie unmög­lich.


Algorithmische Lösungen

Das Kind ist nunmal in den Brunnen gefallen. Was als Default by Design angelegt ist, kann auch nur auf dem selben Weg wieder gelöst werden – also algorithmisch. Es sei denn Algorith­men sind doch nicht so schlau wie sie uns verkauft werden. Was bleibt sonst ? Folgt der marketing­orientierten die staatliche Filterung von Information ? In China Realität. Immerhin kommentiert Twitter neuerdings die Gewalt­phantasien des ameri­kanischen Präsidenten – also heraus aus der Filter­blase zurück in die Realität. Ein erster Schritt.


07.06.2020

 

Der Informationsoverkill einer strengen Navigationshierarchie

Buffer Overflow des preußischen Sortierzwangs




Wo bin ich ?

Sie befinden sich in der badischen Beamtenbank – dieses Schild nehme ich zur Kenntnis, nachdem ich die Bank betreten habe. Draußen über dem Eingang prangt überdimensional das Logo und der Name der Bank, das ich hundert Meter entfernt bereits wahrgenommen habe. Dahin schaue ich jedoch nicht mehr, da ich die Bank bereits kenne – schadet nicht, sich zu vergewissern. Sie befinden sich in der badischen Beamtenbank. Habe ich was vergessen ?


Heroische Substantive

Baue ich mit heroischen Substantiven die Navigationsstruktur einer Webpräsenz auf, ist Orientierung eine Tugend, sagt sich der Preuße,  und dekliniert den Inhalt mit mindestens fünf Navigationsebenen. Fein säuberlich geordnete Schubladen, die ich einzeln im Navigationsbaum anklicke, nur um festzustellen, dass sich darin immer nur ein Bild und ein Satz – manchmal nur ein Satz – befinden. Das ist ein neuer Navigationspunkt. Leider ist mir nichts weiter dazu eingefallen. Manchmal finde ich eine Tabelle, die ich nicht lese.


Sicher ist Sicher

Hektisch ziehe ich Schublade nach Schublade auf, um Information zu erschnüffeln. Zum Glück nutze ich eine übersichtliche Navigation, die mir das Navigationsgeäst in seiner Gänze lückenlos dokumentiert. Obendrauf sichere ich die horizontale Navigation mit zwei Ebenen durch eine weitere vertikale mit allen Ebenen und einer Brotkrumme. So oder so ähnlich wird Information oft aufgebaut und strukturiert. Sie befinden sich in der badischen Beamtenbank. Habe ich was vergessen ?


Navigationsdesign im Wandel

Navigationsdesign befindet sich im Wandel. Wurden früher Webseiten hauptsächlich als reine Informationsarchitektur verstanden, um Schubladen zu ordnen, wird heute Information auch mit gestalterischen Mitteln strukturiert, statt sogleich eine neue Schublade aufzumachen. Wurde der beliebte Longpager ohne jegliche Struktur als konfrontative Antithese zum Navigationstanker postuliert, wird heute der Longpager strategischer eingesetzt.


Reduziere die scheinbare Komplexität

Während im Hintergrund Information weiterhin in mehreren Navigationsebenen aufbereitet wird, bekommt der Nutzer nur die ersten beiden zu sehen. Reduziere scheinbar die Komplexität. Im Gegenzug wird dafür mehr nutzerzentriert konzipiert. Mit aktivierenden Verben statt mit behäbigen Substantiven formuliert – und falls nicht, wandelt sich das starre Substantiv beim Anklicken in eine strategisch emotionale Headline mit kerniner Aussage. Gefolgt vom ansprechenden Bild, kurzem Teasertext und einem Fließtext.


Longpager mit Navigationspunktartikeln

Die zweiten Ebenen werden als weitere Longpager neben der Landingpage abgebildet. Im Editorialstil werden die Navigationspunkte der zweiten Ebenen in einzelnen Subseiten gestalterisch inszeniert. Jeder Navigationspunkt wird zum Artikel innerhalb einer Seite mit ansprechender Headline statt statischem Navigationssubstantiv, der mir eigentlich nur mitteilen will, das ich mich immer noch in der badischen Beamtenbank befinde. Es folgt gestalteter Inhalt und zwischendurch wird die dritte Ebene als gestalterisches Element integriert.


Internet meets endlich Editorial Design

Die modulare Gestaltungsweise eines Content Management Systems wie etwa Typo3 unterstützt die Kombination verschieder Artikel unterschiedlicher Form, um mit mehr Leben und Rhythmus zu gestalten. Vorbei die Zeit der starren Gestaltungsvorlage, die für jede Schublade über die ganze Seite hinweg glich. Hyperlinks mutieren zu modularen zuklickbaren Artikeln, die auf tiefere innere Strukturen im Geäst verweisen ohne selbst im Navigationsmenü aufzutauchen, wie beispielsweise News und Aktuelles auf der Landingpage – Internet meets endlich Editorial Design und macht dank Transitions auch in der Bedienung Spaß.


22.05.2020

 

Tom ist ein Pyramidenadventure programmiert für einem Commodore 16, dessen Speicher gerade mal 16 Kilobyte umfasste

Geistige Vorstellungskraft statt technisch immersivem Kitsch




Niederschwelliger Fantasiezugang

Wir tauchen in eine künstliche Welt ein – ist sie immersiver, je technisch genauer und bunter sie modelliert ist ? Ist 8k besser als 1k weil sie mehr Pixel hat ? Materiell gesehen ist mehr immer besser als weniger. Je mehr ein Künstler seine eigene fantastische Vorstellung seinem Zuschauer aufdrückt, desto weniger Raum lässt er ihm zum eigenen Vervollständigen. Die technisch perfekte Immersion mit niederschwelligem Fantasiezugang mutiert am Ende zu reinem Kitsch.


Das geschlossene System der Unterhaltungsindustrie

Unterhaltungsindustrie wie Hollywood ließ möglichst wenig Raum für eigene Interpretationen, im Gegensatz zum Autorenkino, das dem Zuschauer Denken und Mitdenken abverlangte. Visuell ästhetisch grenzen sich offene Systeme von geschlossenen ab. Während das geschlossene System Fantasie bevormundet, liefert die Andeutung Platz zur Interpretation und bietet inneren Dialog durch Herausforderung.


Kraft technischer Beschränkungen

Frühe Computersysteme wie ein Commodore 64 oder gar ein Commodore 16 lebten von technischen Beschränkungen – gerade deswegen entwickelte sich daraus gestalterische Kraft. Brutaler Oszillator-Chip-Sound, wenige reine RGB-Farben und eine rohe Pixelwelt verlangte viel Fantasie vom Spielenden, um sie zu glätten und mit Leben zu füllen – eben jener Dialog mit Andeutungen.


Brutale Pixelrealität und sägende Oszillatoren

Gegensätzlich dazu wurden die Cover jener Computerspiele in matten und matschigen Printfarben verschämt traditionell und detailiert gestaltet. Eine für Fantasielose und Blinde illustrierte Welt, die möglichst gegenständlich die brutale Pixelrealität eines 320 x 200 Screens in 16 Farben mit zwei sägenden Oszillatoren vergeblich versuchte zu erklären, während ihre Benutzer aufjubelten. Auf dem heimischen Fernsehapparat zerstörte der Heimcomputer den einseitigen medialen Informationsfluss ohne Rückkanal.


Gestaltpsychologischer Assembler

Die Macher dieser Spiele mussten die 16 Kilobyte eines C16 bis ins Äußerste auf Assemblerebene – also in reiner Maschinensprache – manipulieren, um dem zeilenbasierten System Spielewelten zu entlocken. Die Grafik war gestaltpsychologisch zweidimensional klar und oft ähnlich kraftvoll wie gute Logos, die von Reduktion leben. mit wenigen verfügbaren Farben, mit starken grafischen Mustern, um mehr Zwischentöne zu erzeugen, erinnert diese frühe Phase der Computergrafik an Kinderzeichnungen auf Drogen. Einer dieser epischen Spiele war Tom, der die grafisch und farblich expressive Unterwelt einer Pyramide mit seltsamen Wesen durchquerte. Weniger ist doch mehr – wie auch schon die Pioniere des Bauhauses wie Walter Gropius wussten.


19.05.2020

 

Plakat- und Text­beitrag für das Magazin komma der Fakultät für Gestaltung zum Thema Zensur, veröffentlicht im Sommer­semester 2020

Gelbschirme, Gelbwesten, wegen Geld auf die Straße

Zensur ist ein abstraktes Wort, nicht gerade plakativ, jedoch politisch. Und doch fällt einem spontan Protest ein; mehr Wirkung statt Ursache. Meinungs­freiheit, die mit Füßen getreten wird. Sofort sehen wir Demo­kratie in Gefahr. Medien laufen Sturm, sofern nicht gleich­geschaltet. Wut­bürger gehen auf die Straße. Von nahender Bedrohung ihrer politischen Souve­ränität und persönlichem Freiheits­verlust getrieben. Hongkong. Das ist weit weg. Was hat das mit uns zu tun ? Wir leben in Demokratie und Frieden. Gelb­schirme. Gelb­westen. Wegen Geld auf die Straße. Und doch ist Zensur auch bei uns präsent. Ob Upload­filter, Filter­blase oder Alter­native Fakten. Zensur als bewusste Mani­pulation von Infor­mation bedeutet Kontrolle über Gedanken und Menschen. Sowohl im kleinen wie auch im großen gesell­schaft­lichen Kontext. Insofern all­gegen­wärtig.


21.04.2020

 

Mein generativer Fulldomefilm beyond wird auf dem international ausgerichteten Fulldomefestival in Jena ausgestrahlt

Internationales Fulldome Streaming Festival in Jena mit beyond

Beyond meint den Raum dahinter, den Sinn dahinter, das Wesen der Dinge dahinter. Wie im Höhlen­gleichnis von Aristoteles sehen wir nur Schatten an der Wand – das wahre Wesen der Dinge bleibt für uns verbor­gen. Wir reisen durch Raum und Zeit auf der Suche nach Antworten. Die Kuppel als Höhle unseres Verstandes liefert uns die Projek­tions­fläche für unsere Hoffnungen und Sehn­süchte auf der Suche nach Wahr­heit und Erkenntnis. Beyond blickt auf eben jene Projektions­fläche, visualisiert sie und erkundet die immersive Inter­aktion mit dem Raum davor und dahinter, bringt die Kuppel selbst als lebenden Organismus zum Atmen. Mit wissen­schaft­licher Präzision unter­sucht Marek Slipek die gestal­terische DNA einer Full­dome­kuppel.

Beyond wird dieses Jahr auf dem 14. inter­natio­nalen Full­dome­festival in Jena ausge­strahlt. Auf die beson­dere gesell­schaft­liche Situation haben die Veran­stalter schnell und kreativ reagiert: Das Festival teilt sich in zwei Termine. Das Full­dome Streaming Festival wird vom 13. bis 16. Mai im Internet als Cyber­dome zu erleben sein. Im Herbst folgt dann das Fulld­ome Live Festival mit immersiven Live­konzerten, Performances sowie der Verleihung des Janus-Awards.


28.03.2020

 

Die wichtigsten Utensilien, um Corona zu trotzen

Coronaparty im Zombiemodus

Wer sein Bier Corona nennt, hat es schwer im Ausnahme­zustand. Vielleicht lässt sich rück­wirkend das Marketing für die Namens­gebung verklagen. Selbst das Klo­papier wird zur Mangel­ware und Menschen prügeln sich darum. Wer im Ost­block gelebt hat, weiß was Mangel­wirtschaft eigentlich bedeutet. Wer viel hamstert braucht viel Klopapier.

Rolls-Royce stellt in Groß­britannien Beat­mungs­geräte her. Sie werden sicher­lich die bequemsten am Markt. Auto­sitz statt Bett, Rück­spiegel für Rund­umsicht. Wer Atem­not hat, wird sich mit Lenk­rad davon ablenken können.

Junge Menschen feiern Corona­parties und laufen frei als Zombies herum. Eine neue Studie muss her, und zwar schnell, um sie zur Vernunft zu schocken. Wir sind lineare Zusammen­hänge gewohnt. Betrunken ist es um so ungewohnter, sich exponen­tielles Wachs­tum vorzu­stellen. Das Virus hat sogar die Kraft, unser Gesund­heits­system in die Knie zu zwingen.

Der Ausgang der Krise ungewiss, Die Verun­sicherung all­gegen­wärtig, mensch­liche Reaktionen karikatur­haft. Hoffen, dass es noch­mals gutgeht, bevor uns der Klima­wandel end­gültig von der Land­fläche spült.

Bereits jetzt ist klar, dass Covid19 als einschneidendes Ereignis in die Geschichte eingehen wird – schlimmer als Tschernobyl oder Fukushima erleben wir kriegsähnliche Panik. Corona wird das gerade begonnene neue Jahrzehnt prägen. Spätestens jetzt merken wir schmerzlich, wie wichtig Digitalisierung ist, um Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Bei all den dramatischen Ereignissen sollten wir Corona dennoch als Chance begreifen. Digitalität ist mehr als eine Autobahn.


21.03.2020

 

Besprechung des Buchs »How to Speak Machine« von John Maeda

Das moorsche Sklaven­schiff ameri­kanischer Utili­taristen




Schleife des digitalen Zeit­alters

Was das Zahn­rad für die Indus­triali­sierung war, ist die Schleife für das digitale Zeit­alter und seine Berech­nung im Computer. Befreit von materie­llen Zwängen und Risiken ent­faltet Digi­tali­sierung ihre Super­kräfte, wenn sie unermüd­lich einen gigan­tischen Daten­dschungel durch­forstet und mit neuronalen Netz­werken ihre Schlüsse daraus zieht. Google, Facebook und Instagram versteht nur, wer versteht, dass die unermüd­liche Schleifen­logik von Computern diese Konzerne erst ermög­licht hat – und eben keine hän­dische Arbeit.


Universelle Maschinen­sprache

Wer Maschine spricht versteht die neue Zeit­rechnung. Während Design in der mate­riellen Welt des ver­gan­genen Jahr­hunderts hängen­geblie­ben ist, hat das neue Bau­haus des Silicon Valleys die Welt im Scrum-Modus mit itera­tiven Proto­typen erobert – mit den Minimal Viable Products. In der alten indus­triellen Welt war das perfekte Design ein Nadelöhr der kost­spieligen physi­kalischen Produktion. Im Wasser­fall­prinzip wurden Zu­ständig­keiten verteilt. Als Filter fungierende Geschmacks- und Qualitäts­eliten bestimmten, was würdig war das Licht der Welt zu er­blicken. Im Tempel der Techno­logie ent­scheidet die Schnellig­keit eines sinn­vollen Up­dates über die Qualität eines imma­terie­llen Produkts im Gegen­satz zur müh­seligen Perfektion des Design­tempels.


Stilverliebte Designer

John Maeda beschreibt in seinem neuesten Buch »How to Speak Machine« wie sich Berech­nung auf Gesell­schaft aus­wirkt und warum Design die neue digitale Welt nicht mehr länger prägt, wie es eins die alte Welt geprägt hatte. Obwohl er im Kern die sinn­lose Stil­verlieb­heit vieler Gestalter trifft, scheint er die grund­sätz­lichen Bau­haus­ideen selbst nicht ver­standen zu haben. Natürlich war das Bau­haus ange­treten, den indus­triellen Prozess menschen­gerecht zu gestalten und natürlich lässt dieser Ansatz sich nicht direkt auf einen digitalen über­tragen. Dennoch beschreibt Maeda Designer zu polemisch als form­verliebte Stil­sklaven. Dass Form einer Funktion folgt, spielt in seinen Design­betrachtungen keine Rolle.


Marktforschung in Echtzeit

Die perma­nente Rück­kopplung und Über­wachung des Users zum Zwecke einer itera­tiven Produkt­optimierung dient als Ersatz einer vom Designer veran­stalteten One-Man-Show. Während Design­genies subjektive Ent­scheidun­gen fällen, verlässt sich der Techno­logie­tempel auf statistische Aus­wertungen erfolgs­versprechen­ster Design­varianten in A/B-Testings. Eine Echtzeit­markt­analyse beobachtet und erkennt User­verhalten und macht Diskussionen im Vor­feld scheinbar über­flüssig. In einer effizienz­gesteuerten Online­kommunikation bleibt wenig Spiel­raum für Indivi­duelles – daher über­rascht die visuelle Ein­förmigkeit der Web­kommunikation auch nicht weiter. Was zu Erfolg führt lässt sich im Netz leicht messen und wird in Mark­forschungs­ergeb­nissen betoniert. Dennoch braucht Gestal­tung einen Ausgangs­punkt, der sich nicht immer wieder aus Absiche­rung und Kopien von Bewährtem speisen kann.


Moorscher Fort­schritts­glaube

Zu sehr schlägt in Maeda der Marketer durch, der im Dienste von techno­logi­schen Start-ups Gestaltern auf dem neuen Sklaven­schiffs des moorschen Fort­schritts jegliche Selbst­verwirk­lichung abspricht. Wer Wasser predigt und selbst Wein trinkt, reiht sich ein in die Ahnen­geschichte der vielen Design­dogmatiker – wenn auch in seinem Fall wider Willen. Maeda selbst rühmt sich mit seinen Werken, die im MoMa Museum hängen – spricht zur gleichen Zeit der jetzigen Gene­ration ab, sich selbst mit ihrer Arbeit verwirk­lichen zu dürfen.


Amerikanischer Utilitarismus

Zu sehr erinnert seine Argumen­tations­kette an einen ameri­kanischen Utili­tarismus, der einzig und allein die Geld­gier von Inves­toren befriedigt. Die Indus­tria­lisierung hatte einst den Arbeiter vom Hand­werk ent­fremdet und ihm die Selbst­wirksamkeit seiner Tätig­keit genommen. Natürlich macht Digi­tali­sierung dort weiter wo Indus­triali­sierung auf­gehört hat. Im Kern hat Maeda jedoch recht, dass Designer allzuoft gesell­schaftlich techno­logische Umbrüche für stilis­tische Moden halten. Weigert sich ein Designer die Zukunft kritisch zu umarmen, bleibt im nur eine traditio­nelle Flucht in die Vergan­gen­heit.



06.03.2020

 

Lichtkunst FFF Outdoor auf der Luminale 2020 in Frankfurt

Blitz­licht­gewitter auf der Luminale in Frankfurt

Urbane Licht­kunst erobert den Frank­furter Stadt­raum. Jen­seits von musealen Kathedralen öffnet sich diese besondere Kunst­form dem städtischen Raum und inter­agiert mit ihm und den Menschen. Licht und Dunkel­heit sind zwei Gegen­spieler, die aufeinander an­gewiesen wird. Das Thema der dies­jährigen Frank­furter Luminale ist Digitale Romantik. Verteilt über die Stadt werden Denk­mäler, Archi­tektur und Brücken von verschie­denen Künstlern inszeniert.

Meine Licht­installation FFF gehört zu den kuratierten Licht­kunst­werken des Festivals und wird vom 12ten bis 15ten März 2020 jeweils von 19 bis 23 Uhr zu sehen sein. Ein Blitz­licht­gewitter erleuchtet zwei mit­einander telefo­nierende Jüng­linge – ein Verweis auf den Skandal, den das Denk­mal bei seiner Ent­hüllung vor 100 Jahren ver­ursachte: Die beiden telefonieren gänzlich entkleidet, wie das bei Darstellung von Menschen in künstlerischer Tradition so üblich ist. Die im wahrsten Sinne knisternde Luft zwischen den beiden visualiere ich mit kurz auf­flackern­den und von Klick­schalt­geräuschen begleiteten Leucht­stäben.

Im biennalen Turnus findet die Luminale, ein Festival für Licht­kunst, in Frankfurt am Main statt. Sie wurde zuletzt von mehr als 180.000 Menschen besucht und gehört mittler­weile zum festem Be­stand­teil kultureller Land­schaft.

luminale.de


15.02.2020

 

Zachary Lieberman

Augenartists und Autofonts: Zachary Lieberman hilft Sprayern beim Sprühen und Toyota auf die Straße

Ein querschnittsgelähmter Graffiti-Artist zeichnet mit seinen Augen Tags an die Wand – mit Eyewriter ist das möglich. Ein kostengünstiges Eyetracking System auf Open Source Basis.

In rasender Geschwindigkeit mit einem Auto einen Schriftfont zeichen – das ist die Idee hinter iQ Font. Farbige Markierungen auf dem Wagen werden dabei von einer Überkopfkamera erfasst. Das Projekt wird von Toyota unterstützt.

Oder ein ganzes Jahr lang jeden Tag einen generativen Sketch auf Instagram posten. Das beeindruckende Experimentierfeld zeigt eine Fülle von Möglichkeiten, organische Formen mit Computern zu erzeugen – jenseits von reinen Zufallsverfahren, dafür meist mit mathematischer Formelkarate.

Hinter all diesen Projekten steckt Zachary Lieberman. Der in New York lebende Künstler, Forscher und Lehrer beschäftigt sich mit Computergrafik, Interaktion und Computervision. Seine spielerischen Interaktionen schaffen Umgebungen, in denen Teilnehmer zu Performern werden.

Lieberman ist einer der Gründer von Open Frameworks – ein Äquivalant zu Processing. Zunächst unterrichtete er an der Parson School of Design, gründete danach mit anderen Künstlern die School for Poetic Computation und wurde erst kürzlich ans MIT berufen.

Sein spielerischer Gebrauch von Technologie offenbart eine fragile Grenze zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem. Seine experimentellen Zeichnungen und Animationstools sind stark grafisch geprägt. Vor allem seine Daily Sketches sind eine Entdeckungsreise wert.


09.01.2020

 

Immersive Art Festival im Atelier des Lumières in Paris mit Algorithm, Cokau Lab, Create.eu, Cutback, HKI, Nohlab, Ouchh, Roman Hill et Paul Mignot, Spectre Lab, Superbien, Les Vandales und Void

Wo Licht ist, ist auch Schatten: das Immersive Art Festival in Paris

Einen ganzen Hallenkomplex samt den Böden immersiv mit manipulierbarem Licht auszustatten, ist etwas Besonderes. Wenn es besonders ist, dann passiert es meistens in einer großen und wichtigen Stadt: klar, dass sich Paris da nicht lumpen lässt. So kommt es, dass in Paris das erste Lichtmuseum Europas das Licht erblickte: Das Atelier des Lumières. Bisher waren hier Werke von klassischen Künstlern wie van Gogh und Klimt zu sehen – animiert, vertont und immersiv.

Schnell hat sich das Museum auch der generativen Gestaltung angenommen und ein immersives Festival ausgerufen: Es fühlt sich an wie Bladerunner. Draußen in Dauerregen gehüllte Dunkelheit. Menschenmengen warten in Schlangen auf den Einlass. Drinnen kauernde Schattenmengen in angenehmer Trockenheit und Wärme. Ein ungewohnter öffentlicher Raum, der die Besucher in Anarchie zurücklässt. Einen festen Standpunkt wie im Kino gibt es aufgrund der Immersion nicht. Jeder Ort im Areal ist nicht besser oder schlechter, meist nur anders. Ob ein Wassergraben, ein verspiegelter Raum, ein Zylinder oder eine gewaltige Wand – die Projektionen befinden sich überall, ein klarer Klang durchdringt alle Orte intensiv. Das Areal lädt zum Erkunden ein. Dennoch scheinen die Besucher eine Kinosituation zu erwarten. Sie nehmen an einem festen Standort Platz, anstatt die Umgebung zu erforschen – sind sie zu sehr gebannt vom Erlebten?

Die elf vorgestellten generativen Werke wurden eigens für das Event als Wettbewerbsbeiträge von renommierten Digitalakteuren wie Ouchh, Nohloab oder Les Vandales eingereicht. Das Spektrum reicht von abstrakten bis sehr gegenständlichen dreidimensionalen Werken. Vieles spielt sich zwischen Partikelsystemen und mehrdimensionalem Noise ab – die für generative Gestaltung ergiebigsten Methoden.

Gleichzeitig beschleicht mich jedoch das Gefühl, hier technische Leistungshows der jeweiligen Agenturen präsentiert zu bekommen. Als würden sich die Macher mit der kommerziellen Verwertung ihrer Werke gleichzeitig die Tore zu einem medienreflektierten Umgang außerhalb formaler Spielerei selbst verschließen. Ohne Kundenauftrag stellt sich schnell die Frage nach dem künstlerischen Thema. Sind es Skizzen oder eine durchgehende Thematik ? Was soll eigentlich über das Machbare hinaus vermittelt werden ? Sind die erzählten Geschichten gegenständlicher oder abstrakter Natur ? Wie nah am Betrachter möchten die Macher kommunizieren und verstanden werden ? Wieviel Intelligenz trauen sie ihren Zuschauern zu ?

Es sind wohl ähnliche Fragen, die auch klassische Filmemacher bislang beschäftigt haben. Von diesen essenziellen inhaltlichen Aspekten abgesehen, bleibt der Besuch des immersiven Festivals im Atelier des Lumières ein Erlebnis. Mit pathetischen Soundtracks lassen die Visuals die Gäste in angenehmer Dunkelheit schweben. Von diesem Lichtspektakel geht eine Faszination aus, derer sich wohl niemand entziehen kann, sobald er einmal darin gefangen ist.


20.10.2019

 

Die Dokumentation Clouds in der Ausstellung Digitale Revolution im Filmmuseum Frankfurt

Medium nicht Werkzeug

Während Grafiker Computer meist als Werkzeug betrachten, zeigt uns seine Geschichte, dass er vielmehr bereits früh ein Medium war. Angefangen mit Computerspielen, die heute mehr Geld einbringen als Hollywoodfilme, erblickte das Internet das Licht der Welt und zeigte den endgültigen Beweis dieser These. Während das Fernsehen mit seiner Zielgruppe altert, blüht die digitale Kultur immer schneller auf.

Anhand von Geräten aus den Bereichen Computer, Spielekonsolen, Computerspiele und Synthesizer beschreibt das Filmmuseum Frankfurt in der Ausstellung Digitale Revolution die Geschichte dieser technologischen Entwicklung. Heute ist jedem klar, welche tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen die Programmierung unserer Welt mit sich bringt.

Die meisten der frühen Konsolen und Computerspiele sind in der Ausstellung spielbar. Ebenso sind exemplarische Werke der Internetrebellen Jodi und die Formart von Alexei Shulgin zu erleben. Shulgin kehrt die Logik des Form Follows Function um und betrachtet Funktionselemente des Browsers wie Eingabefelder, Buttons oder Pull-Down-Menüs als Zeichenmaterial.

Besonderes Highlight der Ausstellung ist Clouds – eine in Openframeworks erstellte interaktive Dokumentation. Clouds lässt etliche Protagonisten der künstlerischen Computerszene zu Fragen rund um die Generative Gestaltung zu Wort kommen – unter anderem John Meada, Casey Reas, Bruce Sterling, Karsten Schmidt, Josh Nimoy, Zach Lieberman, Ben Fry, Marcus Wendt, Ramsey Nasser, Andres Columbri, Vera Glahn, Kevin Slavin, Jen Lowe, Memo Akten, Shantell Martin, Daniel Shiffman, Golan Levin, Jessica Rosenkranz, Jer Thorp, Fernanda Viegas, Martin Wattenberg, Rachel Binx, Elliot Wood, Lauren Mccarthy, Julia Kaganskiy, Jesse Rosenberg und Philipp Whitfield. Untermalt werden die Interviews mit interaktiven Openframeworks Sketches. Kevin Slavin erläutert beispielsweise, wie Künstler Wahrnehmungsmodelle der Wirklichkeit erstellen. Sei es Pointilismus oder Kubismus: Generative Kunst führt diese Entwicklung fort. Sie übersetzt Wahrnehmungsmodelle in Code, oft interaktiv erfahrbar. Absolut sehenswert !

Die kleine jedoch feine Ausstellung – die ihren Ursprung in London hat – gibt insgesamt einen illustrativen und faszinierenden Einblick in eine digitale Welt und ist noch bis Anfang November zu sehen.


18.10.2019

 

Friedrich Nietzsche

Jenseits von Gut und Böse




Faule und bauern­schlaue Menschen zitieren gerne Frag­mente bekannter Philosophen, Künstler, Wissen­schaftler und Poeten, um sie im eigenen Kontext zu verbiegen. Das Konzept des Über­menschen von Nietzsche ist sicherlich ein Beispiel dafür. Als Sohn eines Land­pfarrers geboren, zum Anti­christ mutiert, rechnet Nietzsche mit vielem ab – vor allem mit der Moral des Christen­tums. Im Spät­werk antis­emitisch und polemisch trägt er vermutlich zum geistigen Fackel­boden folgender Zeiten bei. Vor allem zeigt er jedoch wie christliche Moral erst Sklaven­moral ermöglicht: Die ewig benach­teiligten Guten werden im Jenseits zu Rächern der bösen Herren­menschen, die ohne Gewissens­bisse mit Ja und Amen ihre Macht im Dies­seits bejahen. Wohl nicht ganz zufällig begrün­det die Partei mit dem C im Namen im post­national­sozialis­tischen demo­kratischen Deutsch­land lange Zeit ihre Macht auf konser­vativen bürger­lichen Glaubens­bekennt­nissen. Während die einen genug von Schuld und Sühne haben, tragen die anderen das Banner des Gedenkens in Scham vor sich her.

Eben jenseits von Gut und Böse sieht Nietzsche den Mensch in einer post­mora­lischen Welt, die den Nihilismus als Über­gang zum Zustand geistiger Freiheit braucht. Zum Herren­menschen gegen­sätzlich sieht er schwache Menschen, die eine An­gleichung ihrer in der Menge suchen. Im Geiste einer strengen Aufklärung hat Wissen­schaft und Philosophie hier eine besondere Aufgabe zu leisten. Während Nietzsche einer­seits für die Kunst als höchsten geistigen Ausdruck schwärmt, kritisiert er anderer­seits ihre unter­würfige Haltung im Dienste des Wissens und sokra­tischer Klug­heit. Diese Kehrt­wende hängt sicherlich mit seinem persön­lichen Verhältnis zu Wagner zusammen.

In seiner Äußerungen zum Verhält­nis von Kunst, Wissen­schaft und Ästhetik bezieht er sich auf die griechische Mytho­logie. Während Apollon dem schönen Schein verfällt, zieht es Dionysos in den Ausbruch einer rausch­haften grausamen Ent­hemmung einer dunklen Urkraft. Das Grausame und Häßliche wird hier dem Schönen und Seichten als Kraft ent­gegen­gesetzt. In Nietzsche finden wir eine Ästhetik des interessant Häßlichen im Gegensatz zur gut­mensch­lichen Suche nach einer trans­zendenten Wahr­heit, wie sie Kant und Hegel als Rolle für den Künstler beschreiben. Im wissen­schaftlichen Mensch sieht Nietzsche vor allem in seiner positi­vistischen Periode die Weiter­entwicklung des künstle­rischen Menschen. Gleich­zeitig zeigt er seine Abneigung gegen­über einer allzu systema­tischen Methodik, die eher für mittel­mäßige Geister geeignet sei. Denn im ewig Wieder­kehrenden sei das Chaos die einzige Konstante. Diese Aussagen sind sicher­lich auf Nietzsches persön­lichen Erfahrungen mit dem Universitäts­betrieb zurück­zu­führen – sowohl als Student wie auch als Professor.

Interessant in diesem Licht wäre die Betrachtung zeit­genös­sischer, klassischer Kunst und Medien­kunst sowie das Verhältnis von Syste­matik und Intuition im All­gemeinen. Eine stark konzep­tionell geprägte wenig sinnliche zeit­genössische Kunst oder Medienkunst wäre nach Nietzsche gesprochen zu sehr in den Dienst einer sokra­tischen Botschaft gestellt. Gleich­zeitig kritisiert er auch einen Fort­schritts­glauben, sieht jedoch im wissen­schaft­lichen Menschen den besseren künst­lerischen Menschen – auf Kunst bezogen den Medien­künstler. Die Suche nach dem Wahr­haften und dem Schönen in den klassisch orien­tierten Künsten befördert hingegen zugleich die Seichtig­keit. Sinn­lichkeit als Opponent des Konzep­tionellen wäre sowohl schön und seicht als auch düster und zerstö­rerisch denkbar.

Während Nietzsche Syste­matik wenig abge­winnen kann, obwohl gerade Wissen­schaft darauf beruht und deswegen so erfolg­reich ist, misst er der Intuition in einer chao­tischen Welt um so mehr Bedeutung zu. Hier schlägt das Konzept des künstle­rischen und wissen­schaftlichen Genies durch, der die zündende Idee hat, während das Fußvolk mit mittel­mäßigen Verstand den großen Rest dann abzuarbeiten habe. Nietzsche war weder Wissen­schaftler noch Künstler. Wenn Einstein vom zündenden genialen Funken spricht, meint er den großen Rest, den er zuvor durch­schritten hat, der ihn erst zum Funken gebracht hat – nicht etwa vom Über­springen des Schritts zuvor: In einer Dolce Vita der Ideen­geber gammelt Einstein einen Cocktail schlürfend am Pool und entwickelt zwischen Small­talk und heißen Miezen die Rela­tivitäts­theorie – so in etwa sieht die Welt der Werber aus. In Nietzsches Welt­anschauung schneidet der Skeptiker am Ende am Besten ab. Nietzsche sagt vieles und vieles wider­sprüchlich, was ihn auch nicht so leicht zu fassen macht.


10.10.2019

 

Die Badass-­Profes­sorin Nori Oxman mischt das indus­trielle Produktions­design auf: Wer sich 100.000 Seidenraupen per FedEx liefern lässt und sie als Coproduzenten einsetzt, der meint es ernst mit Biodesign.

Zwischen Henry Ford und Charles Darwin: Die Bienen­königin Neri Oxman

In der konstru­ierten Welt der indus­triellen Revo­lution dominiert das Montage­fließband und der Hand­werks­meißel die Denkweise aller Gestalter. Alles was industriell her­stellt wird, muss zuvor in kleinste Teile zerlegt werden, um am Ende wieder zusammen­gesetzt und geschraubt zu werden. Designer übernehmen oft eine Brücken­funktion zwischen der Welt der Konstruk­tion und dem gestal­teten Äußeren. Nichts davon funk­tioniert so in natür­lichen Wachstums­prozessen. Wie würden von Menschen gestal­tete Produkte aussehen, die wachsen könnten ? Würden wir dann noch soviel Plastik brauchen wie heute ?

Wir leben in einer Zeit großer techno­logi­scher Verän­derun­gen. Neri Oxman zeigt mit ihrem Team am MIT in grenz­gänge­rischer Art techno­logische Wege vom indus­triellem Fließ­band hin zum bio­logi­schem Wachstum: Die Über­schneidung von Computa­tional Design, additiver Fabri­kation mit 3D-Druckern, Material­technik und synthe­tischer Bio­logie ermög­licht dabei Dinge aus einem einzigem Material organisch zu gestalten und bio­logisch wachsen zu lassen. Mit Chitin lassen sich stabile Buck-­Minster-­Fuller-­Kuppeln drucken, die Plastik eben­bürtig sind. Seiden­raupen werden zu Co­produ­zenten von Kugel­strukturen in großem Maßstab. Synthe­tische Bienen­königinnen steuern ein ganzes Volk von Bienen, um vom Menschen aufgesetzte Strukturen im Weltall zu produ­zieren.

Als Professorin am MIT mit einem inter­diszi­plinären Hinter­grund in Archi­tektur und Medizin erfindet sie mit ihrem ebenso inter­diszi­plinären Team eine Arche Noah der Zukunft mit nach­haltigen Mate­rialien im Proto­typ­stadium. Wie einst John Maeda Computer­wissen­schaft und Design vereint hatte, beschwört Neri Oxman heute eine Revolution unserer Produktions­prozesse hin zum Bio­logischen. Ihre Werke sind ebenso schön wie wissen­schaft­lich funktions­fähig. Sie selbst sagt, dass Schön­heit nur dann Zukunft hat, wenn sie auch nach­haltig funktio­niert. Für Björks Album Vulnicura gestal­tete sie eine bizarre organische post­apokalyp­tische Gesicht­smaske aus gewachsenen Muskel­fasern. Ihre Werke sind in Museen wie dem Centre Pompidou und dem MoMa zu sehen. Als Badass des MIT erregt sie ebenso in wissen­schaft­lichen Kreisen Aufsehen. Man darf gespannt sein auf die Zukunft.


06.10.2019

 

Ausstellung von Carsten Nicolai im K21 Museum in Düsseldorf

Polyeder und Photonen

Wir lauschen an der Membran eines schwarzen Polyeders, der einen subtilen Sub­bass verströmt. Lang­frequen­tig wandert dieser durch den Raum. Aus der Ferne vernehmen wir flirrende, zirpende und zischende Klang­quellen unter­schied­licher Rich­tungen. Leise und betörend beschwören sie den Geist des Digitalen. Jede von ihnen ist Teil eines mini­malen Klang- und Bild­kosmos. Insgesamt vierzig Installa­tionen. Ein gelber Laser­strahl schießt Photonen über die Köpfe der Besucher hinweg – von einem Poly­eder­gerüst mit Spiegel­fläche zur anderen über dutzend Meter Abstand. Eine mit Noise modulierte Scheiben­stange. Metall­bänder formieren sich im organischen Spiel zum über­dimensionalen Bild.

Carsten Nicolai bearbeitet in den meisten Fällen das Thema Linie in digitalen Ani­mationen und in physischen Raum­installa­tionen. Animierte Farb­feld­studien in einem Raum mit seitlich ver­spiegelten Wänden verlängern die Projektion zum un­end­lichen Band. Akustische Frequenz­flächen korres­pondieren dabei mit wechseln­der Klang­farbe das visuelle Schau­spiel.

Der Medien­künstler agiert zugleich als Musiker unter dem Alias Alva Noto. Nicolai beschäftigt sich mit natur­wissenschaft­lichen Themen in seiner Kunst und Musik. Seine Werke sind von formaler Strenge und Mini­malismus gekenn­zeich­net. Er verbindet Klang und Bild in einer unter­kühlten digi­talen Ästhetik. Seit seiner Teil­nahme an der zehnten Dokumenta, die zum ersten und zum einzigen Mal sich digitaler Kunst geöffnet hatte, stellt Nicolai welt­weit aus. Derzeit ist er mit einer Ausstel­lung in den majes­tätisch hohen Räumen des K21 Museums in Düssel­dorf zu sehen.


29.09.2019

 

Ein braunes Rechteck ist die häss­lichste Form und Farbe, während ein violetter Kreis die schönste ist. Diese und andere tief­blickende Erkennt­nisse liefert das Buch Schönheit von Sagmeister und Walsh.

Einmal Rolle rückwärts

Als Adolf Loos vor hundert Jahren das Ornament als Verbrechen bezeich­nete und damit die Moderne ein­läutete, hatte er allen Grund dazu: Hand­werk­lich arbeitende Künstler, die teure ornamen­tale Gegen­stände für reiche Industrielle her­stellen auf der einen Seite und das Bau­haus, dass die indus­trielle Massen­produktion und die Gesellschaft gestalten wollte auf der anderen Seite.

Dass Funktio­nalismus seine Kehr­seiten hatte, ist weniger ihm als denen zuzu­schreiben, die ihn wirt­schaftlich miß­brauchten und nicht verstehen wollten. Wenn hundert Jahre später Star­designer hand­werklich auf­wendiges und teures Design für reiche Indus­trielle her­stellen, um zu beweisen dass sich Schönheit verkauft, hat es weniger mit Funktiona­lismus als mit ihrer Eitel­keit zu tun. Wozu brauchen wir eine Rolle rückwärts, um eine reaktionäre Debatte zwischen Schönheit und Funktion zu führen ? Nach hundert Jahren wissen wir all zu gut, was die Schwächen des Funktiona­lismus sind.

Interes­santer wäre es einen Post­funktiona­lismus zu unter­suchen: In einer Welt der künst­lichen Intelligenz mit großen bevor­stehenden gesell­schaft­lichen Umbrüchen wird das Design seine Rolle neu definieren sowie von künst­licher Intelligenz beein­flusst und verändert werden. Möglich, dass manche Star­designer mehr mit sich selbst als mit Ihrer Umwelt beschäftigt sind und diese Fragen es nicht wert sind, überhaupt in Betracht gezogen zu werden.

In ihrem Buch Schönheit liefern Sagmeister und Walsh wenig Neues und wenig Über­raschendes, bieten eher Unter­haltung als Wissen­schaft. Wir können den dogma­tischen Polemikern als Jünger folgen oder es lassen: einen kritischen Diskurs auf die Frage nach Schönheit werden wir in ihrem Buch nicht finden. Weil es schöner ist, verkauft es sich besser argumen­tieren sie gerne ihren Kunden gegen­über. Dem kann man eigent­lich nicht viel hinzu­fügen.


21.09.2019

 

Besprechung des im De Gruyter Verlag erschienenen Buchs "Confronting the Machine" von Boris Magrini

Konservativ oder subversiv bis auf die Knochen




Fortschritts­glaube und Verherr­lichung von Techno­logien

Was will Medien­kunst ? Die Geschichte der Medien­kunst ist die einer appara­tiven Kunst, die weit bis ins rein mechanische, vor­elektro­nische Zeit­alter zurückreicht. Genährt und getrieben vom Mythos der Erschaffung künstlichen Lebens und der Unsterb­lichkeit forschten damals wie heute Wissen­schaftler am positi­vistischen Fortschritts­glauben und der Verherr­lichung von Techno­logie – im Gegen­satz zu Geistes­wissenschaft­lern, traditio­nellen Kunst­histori­kern und Kuratoren: Diese hegen bis heute ein tiefes Miß­trauen gegen­über Computern und dem Internet. In Wahr­heit täusche Natur­wissen­schaft und Wirt­schaft über ihre wahren Ziele die Öffent­lichkeit mit Mythen, während sie Gelder für militä­rische Anwen­dungen und kapita­listische Ausbeu­tung neuer Arbeit sichere. Der Kunst­historiker und Kurator Boris Magrini zeigt in seinem wissen­schaft­lichen Buch „Confronting the Maschine“ wie Künstler dem Computer begegnen und klärt das Verhältnis von Medien­kunst zur zeit­genös­sischen gegen­wärtigen Kunst.


Arpanet und folgende Überwachung

Unbestreit­bar hat sich das ursprüng­lich rein mili­tärische Arpanet zum heutigen Internet entwickelt. Überwachungs­technologien dienen sowohl staat­lichen als auch privat­wirtschaft­lichen Interessen. Im großen Stil werden gigan­tische Daten­mengen zur Profi­lierung von Menschen­material und deren kommer­zieller und poli­tischer Abschöpfung gesammelt, analysiert und ausgewertet. Künstliche Intelligenz wird einen großen Teil bisher menschlich verrichteter Arbeit durch autonome Maschinen ersetzen.


Netart und Glitchart

Zeitgleich mit Acid House und Techno taucht Ende der Achtziger Jahre Neue Medien­kunst und später Netart empor, die wie JODI das Internet subversiv auf die Schippe nimmt. Das Künstler­duo erklärt von Anfang an mit voller Absicht alles falsch zu machen, was im Browser falsch zu machen ist. Sie rebellieren gegen die Techno­logie des Inter­nets und dessen Kommer­zialisierung mit einer Ästhetik von Fehlern, Viren und Bild­störungen – gespeist aus vorhan­denem Web­content. Auf der zehnten Dokumenta, die zum ersten Mal Medien­kunst neben zeit­genössi­scher Kunst zeigt, wird JODI einer inter­nationalen Öffent­lichkeit präsentiert und schreiben neuere Kunst­geschichte. Die jüngere Generation der Glitch­art­künstler wie Rosa Menkman greift die Ästhetik der Netart­künstler auf, überträgt diese auf Bild- und Video­formate aller Art und feiert die Ästhetik des rebellisch Kaputten, während die Anonymous Bewegung mit Hacking für Freiheit im Internet kämpft.


Generative Kunst

Hingegen verfolgen die Computer­pioniere der Siebziger wie Georg Nees oder Frieder Nake einen gene­rativen Ansatz der Kunst. Sie stehen in keinem Konflikt mit dem Computer, sondern nutzen diesen für ihre künstlerischen Zwecke in einer der Wissen­schaft ähnlichen Heran­gehens­weise: Sie sind nach Magrini Entwickler und Programmierer, die sich der Kunst auf einer formal logischen Art widmen. Herbert Franke, seines Zeichens Natur­wissenschaft­ler, Science-­Fiction-­Autor und Künstler, spricht in diesem Zusammen­hang von Medien­kunst als Brücke zwischen Natur­wissen­schaften und Geistes­wissenschaf­ten. Gegen­wärtige Medien­künstler wie Casey Reas und Ben Fry stehen in Bezug zur ersten Generation der Computer­künstler und machen den gene­rativen Ansatz mit Processing inter­national bekannt und populär.


Stallgeruch von Design

Gleich­zeitig hafte nach Magrini speziell generativer Kunst der Stall­geruch von Design an, das aus Sicht von Medienkunst an sich schon ver­dächtig sei. Da generative Kunst weder selbst­reflexiv, kritisch noch sub­versiv sich mit der Rolle des Computers in der Gesellschaft aus­einander­setzt und es ihr in der Regel an einem gesell­schafts­kriti­schen Konzept mangelt, wird sie tendenziell nicht als solche anerkannt. Die Ausrichtung auf programmier­codierte formale Ästhetik macht sie statt­dessen vielmehr schuldig im Sinne der Verherr­lichung von Techno­logie.


Künstliche Intelligenz, Künstliches Leben und die Digitale Teilung

Gegen­über der zeit­genössischen gegenwärtigen Kunst hat wiede­rum Medien­kunst selbst mit dem gleichen Vor­urteil der verleum­dnerischen Computer­nähe zu kämpfen. Denn selbst wenn Medien­kunst als Bioart und Artifical Art kritisch und oft konzept­lastig ein­deutig Stellung bezieht, wird sie scheinbar vom inter­national lukrativen zeit­genössi­schem Kunst­markt ausge­schlossen – so eine aktuelle Diskussion in der Medien­kunst. Manche Künstler kriti­sieren anderer­seits, der konzept­orientier­ten Medien­kunst gehen oft ästhe­tische Qualitäten abhanden, was die Vermark­tung solcher Werke neben anderen Aspekten um so kompli­zierter macht. Medien­kunst lässt sich gegen­über klassischen Gemälden schlecht konser­vieren: Die komplizierten Apparaturen sind fehler­anfällig, kost­spielig in der Wartung, und die Techno­logien sind kurz­lebig.


Auf der anderen Seite sind digitale Werke repro­duzier­bar und kopierbar. In einem kapital­betriebenem Kunst­markt, der wirtschaft­licher Logik von Angebot und Nach­frage folgt, mindert dieser Umstand ihren Wert gegen­über Öl­gemälden. Kurz gefasst lässt sich Medien­kunst gegen­über der physischen Objekt­haftigkeit von Öl­bildern schwerer vermarkten. Befeuert wird eine scheinbare Trennung der Medien­kunst und zeit­genössi­scher Kunst von konser­vativen Kunst­historikern und Kuratoren, die eine solche herauf­beschworen und aufrecht­erhalten. Die empfun­dene digitale Trennung wird vom Autor des Buches bestritten und viel­mehr auf statis­tischen Phäno­menen begründet: In einem Meer von Malern bilden Medien­künstler eine Insel – digitale Künstler sind lediglich vereinzelt in zeit­genössi­schen Kunst­museen und Biennalen zu sehen, wie Nicolai in K21 in Düsseldorf, Kurokawa oder Ikeda auf der dies­jährigen Biennale in Venedig.


Konzept versus Ästhetik

In der Diskussion um ein kritisches Konzept gegen­über der kritik­losen Ästhetik zeigen sich durchaus Parallelen zum Design. In dieser Disziplin ist der Ruf eben­falls laut nach Konzepten, und die Kritik reiner Ästhetik vor­handen. Wie sehr sich doch in beiden Welten die Akteure schwer tun, beides zu vereinen. Denn wer will schon ein theore­tisches Pamphlet kaufen, das nicht in der Lage ist einen zum Kauf zu verführen ? Auf der anderen Seite will sich keiner – der Verstand hat – mit inhalts­loser, wenn auch grafisch schöner, Dekoration blamieren.


Medien­kunst steht sich mit Fokus auf Konzept und einer oft vernach­lässigten Ästhetik einer Vermark­tung selbst im Wege. Gleich­zeitig ist der Autor überzeugt, dass die Rolle der Medien­kunst als Brücke zwischen Wissen­schaft und Gesell­schaft ein falsches Leit­bild sei und eher zur weiteren Spaltung von Medien­kunst und zeit­genössi­scher Kunst beitrage. Daraus zu schließen wäre, dass sie sich eher einer kriti­schen Haltung widmen solle. Magrini ist überzeugt, dass Medien­kunst als Neue Kunst ihre Festival­foren habe und einen eigenen Bereich entwickle. Die digitale Kunst sei in zeit­genössi­schen Sammlungen durchaus vertreten, wenn auch in geringerer Zahl – was einfach daran liege, dass es viel weniger digitale als klassische Künstler gibt.


17.09.2019

 

Medien­kunst­festival Ars Electronica in Linz mit dem Roboter Cryptid von Michael Candy aus Australien

Apokalypse now




Zerstörung von Ressourcen

Eine dem Unter­gang geweihte Erde, laut­stark protes­tierende Schüler auf dem Festival­gelände und minuten­lange audio­visuelle Perfor­mances mit extrem energie­reichen Bässen, die durch Mark und Bein gehen und den Körper mit dem Gefühl warmen Adrena­lins durch­strömen: die Apoka­lypse naht und wir können es spüren – auch auf der Ars Electronica. In der Zerstörung der eigenen Ressourcen liegt eine Faszi­nation, derer sich schon die Futur­isten nicht ent­ziehen konnten. Wie sonst ließe sich die fort­schreitende Ver­nichtung unserer Umwelt in vollem Bewusst­sein der Konse­quenzen erklären.


Das Internet in einer Krise

Neben­bei steckt das Internet in einer Krise. Wir werden über­wacht. Die Eupho­rie des globalen Dorfs ist dahin. User werden zu Reiz-Reak­tions-Maschinen degra­diert. Die digitale Zitronen­presse quetscht das letzte Quäntchen Infor­mation aus uns heraus. Während in Amerika Daten­kapitalismus und in China Daten­totali­tarismus herrscht, kontert Europa mit Digital­humanismus: Leit­linien zum Umgang mit Daten­schutz etablieren sich weltweit zum Standard. Obwohl es Europa an Roh­stoffen mangelt, schlägt es aus Ver­edelung von Rohöl und anderem Kapital. Warum nicht auch Daten veredeln ?


Die Sparten elektronischer Kunst

Was will die Ars Electronica eigent­lich ? Vieles in vielen Kate­gorien, vor allem einen Bezug von Gesell­schaft, Politik und Techno­logie – zumindest in der Begründung der Kunst­werke. Reine auf sich selbst bezogene Ästhetik meist weniger. Künstler kämpfen mit Maschinen, um ihnen ästhetisches Erleben und geistige Erkenntnis zu entlocken. Künstliche Intelli­genzen werden vor allem in der Musik zu Gegen­spielern von Performern und Musikern. Wer kann einem Treffen mit seinem elabo­rierten künst­lichen Ich wider­stehen ? Wer in künstlicher Intelligenz führt, regiert die Welt. Das weiß auch Putin und investiert ent­sprechend. Künst­liche Intelli­genz bleibt nach wie vor ein heißes Thema. Technisch anspruchs­voll wird es von Künstlern nicht immer durch­drungen, statt­dessen oft illus­trativ oder mit her­kömm­lichen Ingenieur­ansatz der Program­mierung gelöst. Cyberart und Bioart da­gegen werden ähnlich wie bei Dokumenta-­Beiträgen konzep­tionell dominiert und mit gebauter Objekt­kunst aus Elektronik illustriert.


Ungewöhnliche Schauplätze

Die Ars Electronica bietet Einblicke in viele Facetten elektro­nischer Kunst. Dieses Jahr ist selbst ein Ausflug in das benach­barte Kloster­stift St. Florian vorg­esehen. Dort lauschen wir in einem atmos­phärischen Keller­gewölbe einer Sound­anlage mit zwanzig räumlich ver­teilten Laut­sprechern Werken von Xenakis. Im Animations­bereich erfahren wir, dass Raum­zeit mit der Timeslice-­Methode relati­vis­tischen Realitäts­verzer­rungen gleicht. In A/V-Perfor­mances zeigen Künstler, wie Real­time-Visuali­sierung und Real­time-Soni­fikation die Grenzen des Live­begriffs radikal neu defi­nieren.


Berechnende Menschen und Programme

Software wie Ableton Live für Musik, und Mad­mapper oder Modul8 für Visuals verlangen stets ein auf­wen­diges hand­werkliches Vor­gehen im Vorfeld. Aus­wendig gelernte Stücke an Gitarre, Bass und Schlag­zeug werden von Musikern auf­geführt, die sich als präzise Computer mit mensch­licher Ungenauig­keit präsen­tieren: Den minutiös geplanten Rock­shows mit ein­studierter Gestik bleibt nichts dem Zufall über­lassen und ist am Ende alles andere als live. Dressierte Affen im Frack spielen klassische Musik­stücke. Warum machen wir das über­haupt ? Wollen wir beweisen, dass wir die besseren Computer sind ?


Das wichtigste Medienkunstfestival

Ob Künst­liche Intelli­genz, Bioart, A/V-Performance – eins ist sicher: nur wer in der Lage ist, das reich­haltige Programm im Vorfeld der Ars Electronica selbst­ständig zu struktu­rieren und die gebotene Infor­mation ent­sprechend zu ver­arbeiten, wird aus dem Festival Vor­teile ziehen. Das Grafik­design der Ars Electronica verweigert sich erfolgreich und konstant seit seiner Gründung vor 40 Jahren den Gesetzen guter Form und einer struktu­rierten Typo­grafie. Ein Veran­staltungs­plakat ist häß­licher als das andere, wie auf der dies­jährigen Retro­spektive deutlich wird. Den Inhalten und den Kunst­werken hat es nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: die Ars Electronica gilt als das weltweit wichtigste Medien­kunst­festival.


Generative Künstler

An generativen Künstlern ist mir neben Memo Akten, Tadej Droljc sowie auf dem Besuch vor zwei Jahren Alex Augier in Erinnerung geblieben. Tadej Droljc arbeitet mit Max und zaubert dort räumlich dynamische Partikelsysteme, die er mit Handgesten steuert und gleichzeitig generativ sonifiziert. Zu sehen war seine Arbeit Singing Sands im Deep Space 8K. Von onformative aus Berlin war ein generativer mäandernder Fluß als Installation auf acht aneinander gehängten Bildschirmen zu sehen. Alba Corral wird im Februar im Ircam in Paris neben Tadej Droljc und Alex Augier zu erleben sein. Antye Greie aka AGF lieferte beeindruckendes Visualmaterial zu Vladislay Delays dystopischer Musik. Ryoichi Kurokawa verarbeitete große Voxelmengen an räumlichen Daten, die er gleichzeitig eindrucksvoll mit Sound in Szene setzte. Martin Reinhard und Virgil Widrich zeigten in ihrem Film und der Installation tx-reverse, wie Bilder relativistische Zeit darstellen können.


09.09.2019

 

Der Russe Pavel Mijakov eröffnet mit seiner Industrialperformance das Berlin Atonal Festival in der Industriekathedrale des ehemaligen Heizkraftwerks Berlin Mitte.

Atonal brutal

In der Haupt­stadt der Hipster führt jeder noch so winzige Kiosk Club Mate. Wer das Berlin Atonal Festival aufsucht, braucht diesen auch. Denn wer nicht zappelt schläft. Physio­logisch eine Heraus­forderung, das Programm am frühen Abend zu beginnen und in den Morgen­stunden enden zu lassen – ganze fünf Tage lang. Bedürfte es dazu not­wendiger­weise Drogen, wären Schicht­arbeiter die schlimmsten bekannten Drogen­abhän­gigen.

Berlin Atonal bietet ein breit­gefächer­tes Programm. Abends Live­perfor­mances, nachts DJs und weitere Live­perfor­mances. Die Musik ist unter­schied­lichen Couleurs. Gemein­sam ist ihr das Brachiale und eben das Atonale, jeweils unter­schiedlich dar­gestellt. Echte Stil­blüten gilt es hier zu ent­decken neben bekann­teren Namen wie Vladislav Delay oder Amnesia Scanner. Harsche Industrial­beats auf gigan­tischen Sound­anlagen mit einem würdigen Hallraum. Warum nicht mal die Bassdrum weg­lassen und mit dem Rest­material komponieren oder das Genre zwischen­durch einfach wechseln ? Die Bass­wucht ist enorm und dem­ent­sprechend auch zu spüren. Ansonsten trennen sich die Frequenzen glasklar. Klänge aus der indus­triellen Höhle. Düster, atmo­sphärisch, manchmal tanzbar. Gitarren­musik ist dagegen Frequenz­matsch.

Beein­druckend dystopisch wirkt die Industrie­kathedrale in Beton­architektur. Das ehemalige Heiz­kraft­werk beherbergt neben den imposanten Event­hallen unter anderem auch den Tresorclub. Das optische Marken­zeichen dieses besonderen Clubs sind die Gitter­stäbe vor der DJ-Kanzel. Fragt sich wer hier vor wem geschützt werden muss: Ist der DJ das wilde Tier oder die Tanz­wütigen ? Vermut­lich beide. Darauf einen Club Mate.

Folgende Künstler sind mir besonders in Erinnerung geblieben: Pavel Mijakov, Hark, dBrigde, Clara 3000, Nathalie Berikdze, Marshstepper, Shapednoise und Pedro Maia, Kinlaw und Franco Franco, Zuir, Vladislav Delay, Lee Gamble, Solid Blake, Aho Ssan, E-Saggila sowie Kali Malone und Rainer.


30.08.2019

 

Fullscreen

Industrialbreaks von E-Saggila aus Toronto

Der ehemalige Bau­haus­schüler Max Bill baute das Design­kloster auf dem Ulmer Kuhberg

Die kleine Schwester des Bauhauses




Ulm gilt als Blau­pause vieler Gestal­tungs­schulen in Deutsch­land. Dem Bau­haus­gelände nach­empfunden, wurden Studie­rende und Lehrende auf dem Kuh­berg in Ulm abge­schottet vom Rest der Welt ein­gepfercht. Über Ulm thro­nend, baute der ehe­malige Bau­haus­schüler Max Bill ein Design­kloster in roher Beton­optik mit ameri­kanischer Unter­stützung, ermög­licht durch die Geschwister Scholl. Zugleich wurde Bill der erste Rektor der HfG Ulm. Eine Design­kommune als Beitrag zum Auf­bau der Demo­kratie sollte es werden, um unkonven­tionelle Gesell­schafts­gestalter von morgen zu bilden, die als lang­mähnige und bärtige Studenten, die genorm­ten Ulmer Bürger schocken wollten.

Während das Bau­haus noch auf hand­werk­liche Erkenntnis­anschauung und künst­lerische Intuition setzte, grenzte sich die Ulmer HfG spätes­tens nach dem Weg­gang von Max Bill über eine Verwissen­schaft­lichung des Design­prozesses ab. Aicher und Maldonado veran­kerten Mathe­matik, Kyber­netik und Semiotik im Ulmer Lehr­plan, was prägend für das Ulmer Modell wurde und nichts weniger als eine Syste­matik des Ent­werfens und eine Metho­dologie des Designs wollte. Gesell­schaft gestal­ten hieß für Ulm auch Organi­sation gestalten und war ein Vor­läufer des heutigen Social Designs.

Mit der glühenden Fackel der Mathe­matik räucherten die Ulmer den über­höhten Künstler im Gestalter aus und ersetzen ihn durch den prozess­optimier­ten Partner für indus­trielle Ent­scheidungs­prozesse. Viel später half Gui Bon­sieppe an der Kölner Gestalter­schule KISD diesen Prozess fort­zu­setzen und den betriebs­wirtschaft­lich opti­mierten Designer zu formen, während in Ulm Walter Zeischegg noch Zeit für Form­experimente mit Kartoffel­salat blieb. Der asketisch bis­weilen karge Ulmer Funktio­nalismus führte auf der einen Seite mit Kunst­stoff­orgien im Produkt­design zu Ikonen wie dem Schnee­wittchen­sarg oder dem Kodak Carousel unter Hans Gugelot. Auf der anderen Seite brachte es den Ulmern den Ruf sterilen Ent­werfens ein. Der metho­dische Prozess hinter­ließ ein gestal­terisches Skelett.

Denken in Systemen war das erklärte Ziel der Ulmer und verlangte vom Gestalter fächer­über­greifen­des Hirn­schwitzen, jedoch keine Metho­dik um ihrer selbst­willen – aus­gleichend hörten die Jung­designer abends impro­visierten Jazz, soviel Frei­geist wurde ihnen zumindest in den Abendstunden zuge­standen. Vor allem im Produkt­design konnte der Ulmer Ansatz punkten und mit Firmen wie Braun oder Luft­hansa den Beweis der Mach­bar­keit an­treten. Raster­systene ermög­lichen die Koor­dination von Einzel­ementen und er­lauben Varia­bilität der­glei­chen, was indus­trielles Bauen zum Ziel hatte.

Am Ende sollte die Schule politisch ihre Selbstän­dig­keit ein­büßen und sich der ansäßigen Ingenieur­hoch­schule unter­ordnen. Darauf­hin löste sie sich unter laut­starkem Protest im Geiste und im Jahr der 68er selbst auf, wohl auch im Blick, sich selbst zu stili­sieren. Dieser thea­tralische Abgang mit abstrusen Nazi- und Mord­ver­gleichen hatte wenig Heroisches, konnte Ulm am Bekannt­werden jedoch nicht stoppen.

Der dog­matischen Gestaltungs­lehre in Ulm entging offen­bar, dass Mathe­matik sich nicht nur zur Züchtigung von Jungd­esignern eignet, sondern dass sie selbst ein künstle­risches Mittel ist – so frei wie ein geistiger Pinsel. Heute wird das in Kombi­nation mit Infor­matik um so offen­sicht­licher. Lässt man die geis­tige Schere Design bei­seite, wird der Blick frei für Medien­kunst.


17.08.2019

 

Refik Anadols immersiver Raum mit vier Projektoren für jede Raumseite sowie verspiegeltem Boden und Decke

Negativen Raum gestalten

Während Bild­hauer alter Schule sich wahl­weise an addi­tiver oder subtra­ktiver Plastik abgear­beitet haben, gehen progre­ssive Künstler einen gegen­sätzlichen Weg. Befreit von Materie und Schwer­kraft kann Plastik als zu gestal­tender Raum und Abstrak­tion verstan­den werden. Erste Ansätze dazu lieferten Maler wie Adolf Hölzel noch vor den Konstruk­tivisten und der Bauhaus-­Avant­garde. Denn wo das Nichts ist, wird gerade Funktion und geistige Freiheit verortet. Inspiriert von mathe­matisch räum­lichen Modellen, die Man Ray auf Zellu­loid festhielt, gingen Künstler dazu über, Masse durch Linie und Fläche im Raum zu ersetzen und Schatten als eben­bürtig zu erkennen.

Wo zunächst der Spiegel den virtuellen Raum eröff­nete, geht vir­tuelle Realität konsequent weiter und zaubert virtuelle Daten­räume, die gänzlich losgelöst von Materia­lismus mit Licht aus­kommen. So etwa der vier Wände immer­sive Licht­kubus von Refik Anadol mit verspiegel­tem Boden und Decke oder das fili­grane Mapping­linien­geflecht von Kimchi und Chips. In der aktuellen Aus­stel­lung »Negativer Raum« beleuch­tet das ZKM Raum und Plastik aus gegen­sätzlicher Perspek­tive und zeigt auf, wie Skulptur gegen­wärtig aus­sehen kann und wo diese Entwicklung begonnen hat.


12.06.2019

 

Sergey Prokofyevs »Urban Levitation« untersucht in experimenteller Art Hochhauslandschaften

Mit 8k gegen die Kuppelwand

Wer Schott­glas und Jenoptics kennt, dem ist auch Jena ein Begriff – Qualitäts­glas made in Germany. Das dortige Plane­tarium gehört mit 25 Metern Kuppel­durch­messer zu den größten Full­dome­häusern. Gebaut wurde es als weltweit fünftes Planetarium seiner Art vor rund hundert Jahren und ist das dienst­älteste. Das inter­national ausge­rich­tete Full­dome­festival wartet mit einem vier­tägigen Programm voller spannender Full­dome­filme und abschließen­der Preis­verleihung auf. Mein Beitrag »circlecircus« schafft es in die Shortlist der Kategorie Kurzfilme – das darin enthaltene Strobo­skop­gewitter im Film veran­lasst die Veran­stalter vor mög­lichen epi­lepti­schen Anfällen zu warnen – explicit content parently advisory.

Das abschlie­ßende Abend­programm mit den inter­national tätigen United VJs und Live­projektio­nen schießt mich end­gültig auf einen visuellen und akustischen Drogen­trip. Eine Full­dome­projektions­kuppel ist größer und immersiver als jede Kino­lein­wand – und erst recht als jede Maler­leinwand. Wie viel Zeit würde wohl ein Maler damit zu­bringen, eine Full­dome­kuppel mit Ölfarbe zu bepinseln und hätte am Ende doch nur ein einziges Frame ? Wie viele Maler­knechte müßte er beschäf­tigen ? Mein Rechen­knecht wird immer schneller sein.


26.05.2019

 

Robert Lisek lässt rekursive neuronale Netzwerke in Bild und Ton erklingen

Rekursive Systeme mit fundamentalen Frequenzen für Blumen und Geschlechtsteile

Der zweite Weltkrieg hat uns den Computer gebracht, die heutige Massenüberwachung künstliche neuronale Netzwerke. Unsere Wahrnehmung wird von unserem Vorwissen bestimmt – eine KI verstärkt auf die gleiche Art Muster durch Selbstbestätigung. Fundamentale Frequenzen nennt Memo Akten unsere eigene Fähigkeit in der Emergenz von Systemen übergeordnete Supersymmetrien zu erkennen. Wellen als Grundlage quantentheoretischer Überlegungen zeigen dabei in der simplen Anordnung in einer Kreisform eben jene Ausprägungen.

Form wird in einer KI aufgrund von quantitativen Mengenverhältnissen von Farbe und Farbton erkannt, was durchaus in absurden Bildern resultieren kann, wie der Kurator Matis Kuhn uns vor Augen führt. Dabei ist es einer KI herzlich gleichgültig, ob es sich dabei um künstliche Bilder von Blumen der Künstlerin Shinseungback Kimyonghun oder künstliche Bilder von Geschlechtsteilen des Künstlers Jake Elwes handelt. Was von Maschinen zu 90 Prozent als expliziter Inhalt erkannt wird, macht für uns Menschen visuell nicht zwingend Sinn. Hier wird sichtbar, dass Zahlen über Gestaltpsychologie im Zweifel dominieren.

Neuronale Netzwerke sind im Grunde genommen rekursive Funktionen mit sequentieller Verarbeitung durch hintereinander geschaltete Layer. Deren Fortentwicklung lässt sich durch Gewichtung ihrer Komponenten steuern. Durch den Einsatz von Meta-Learning-Netzwerken in Kombination mit Markovketten liesen sich diese Gewichtung selbst wiederum durch eine KI in einer zweiten Ebene steuern. Die Zukunft von KIs sieht Robert Lisek in der Reduzierung auf wenige Beispiele und der Fähigkeit, bereits daraus Metainformationen extrahieren zu können. Der Mathematiker und Musiker vollbringt anschließend den Beweis und demonstriert in seiner audiovisuellen Performance, dass eine KI eine gesteuerte akustische mehrdimensionale Rückkopplung darstellt. Diese entlädt sich in einem brachialem Cyberpunkt-Noisegwitter – der Dämon in der Maschine funkt mit akustischer Gewalt und bringt die Wände des ZKM zum Beben. Damit schließt auch die zweitägige Konferenz zum Thema Kunst und künstlicher Intelligenz.


19.05.2019

 

Kasparow verliert gegen Deep Blue aufgrund einer einprogrammierten Irrationalität der KI, mit der er nicht rechnet.

Dämon in der Maschine

Höhere Wesen befahlen ein Dreieck in die Ecke malen. Nicht länger ist der Künstler besessen vom Dämon wie einst Sigmar Polke, vielmehr die artifizielle Intelligenzmaschine. Wer entscheidet hat die Macht. Pikant daran sind die undurchsichtigen Entscheidungen innerhalb eines künstlichen neuronalen Netzwerks. Und wir sind drauf und dran, unsere gesellschaftliche Entwicklung einer Maschine anzuvertrauen deren Wirkungsweise wir nicht einmal verstehen.

Eine neue Dämosphere zieht am Horizont auf. Gestern waren es der Maxwellsche Dämon des Elektromagnetismus und der Laplasche Dämon einer Weltformel, heute ist es der Biasdämon der künstlichen Intelligenz. Statt mit Dampf wird er nun mit Information gespeist. Mag er dabei zuweilen zweifelhafte Ergebnisse produzieren, die Macht hat er bereits übernommen. Ob er dabei kreativ ist, spielt eine untergeordnetere Rolle. die Geschichte ist voller Dämonen, die unser kulturelles und gesellschaftliches Schicksal bestimmt haben. Bereits Kazimir Malevich hatte Technologie als eigenständige Lebensform betrachtet, die mit sich kommunizieren kann und bereit ist unsere Erde zu verlassen.

Während Google unerlässlich an der Wiedergeburt unsres kybernetischen Unterbewußtseins in der postmorten Digitalität arbeitet, befinden wir uns auf der Konferenz für Kunst und künstliche Intelligenz am ZKM und lauschen spannenden Vorträgen wie dem von Thomas Feuerstein, der als Künstler über umfangreiches kunstgeschichtliches Wissen verfügt. So schließt er seinen Vortrag mit der Bemerkung, dass die Künstler der Akademien des 19ten Jahrhunderts Kunststile immitierende Sklaven waren. Wozu brauchen wir das heute noch, wenn wir dazu neuronale Netzwerke haben ? Selbst die Abstraktion ist nicht länger Domäne menschlichen Ausdrucks, sondern vielmehr ebenfalls Teil eines KI Systems.


18.05.2019

 

Mut zur Wut 2019: Mein Plakat »Zeit ist Relativ« erreicht die Finalistenrunde

Zeit ist relativ

Beinahe jeden Tag hören wir neuen Horror von der Bahn. Eins haben wir bisher gelernt: Pünkt­lich­keit ist Definitions­sache und dehn­bar – wie Kau­gummi. Zeit ist eben doch relativ. Wer Bahn fährt sollte mit viel Zeit und guten Nerven fahren. Voll­mundige Ankün­digun­gen vom Deutsch­land­takt bleiben reine Lippen­bekenn­tnisse solange der Verkehrs­minister nicht hält was er verspricht. Wer Klima­schutz ruft sollte auch das Geld für eben­solchen zur Verfügung stellen. Ein Export­schlager wird der ICE wohl nicht mehr. Bei Tem­peraturen zwischen 10 und 20 Grad bewegt sich der Zug zumindest vor­wärts ohne dass Klima­anlage oder Heizung ausfallen.

3120 Poster reichten 1520 Teil­nehmer aus 66 Ländern ein. Mein Plakat »Zeit ist relativ« schafft es in die Finalisten­runde. Die 100 Finalisten werden im Sommer im Land­gericht Heidelberg zu sehen sein. Danke an die Jury.


09.05.2019

 

circlecircus und aquafloat gehören zu den 25 international besten Fulldomekurzfilmen des Fulldomefestivals Jena

Internationales Fulldomefestival Jena mit aquafloat und circlecircus

»circlecircus« ist eine abstrakte generative Reise durchs Weltall mit visuellen und akustischen Kontrasten. Untermalt mit einem Synthesizergewitter entsteht die Atmosphäre eines komprimierten Science-Fiction-Films, einer Odyssee durch die Mysterien des weiten Raums. In den generativen Visuals erforsche ich die Gesetzmäßigkeiten der Geometrie einer Kuppelprojektion. Eine 360-Grad-Projektion auf einer Wölbung unterscheidet sich grundsätzlich von einer flachen Projektion – sie ermöglichst neuartige visuelle Eindrücke. Dazu verfolge ich drei Ansätze. Zum einen betone ich die Geometrie der Kuppel und animiere jede Stelle der Projektion. Zum anderen verwende ich sich frei über die Fläche bewegende Elemente, die organisch mutieren. Zum dritten erzeuge ich die Mischung beider zuerst genannter Prinzipien – wie einen sich drehenden Tunnel, der einerseits zu den Rändern hin die Geometrie unterstreicht und andererseits sich zur Kuppelmitte hin in den weiten Raum öffnet. Für den Betrachter entsteht der Eindruck, er befände sich im Auge eines Sturms. Als Einstieg und Ausstieg der Visuals verwende ich die gesamte Projektionsfläche des Kuppelsaals als ein einziges großes Stroboskop, das im Wechsel einer 30stel Sekunde das gesamte Beamerlicht ein- und ausschaltet.

»circlecircus« wurde aktuell im Kuppelsaal des Mannheimer Planetariums als Projektion im Fulldomeformat aufgeführt. Zusammen mit »aquafloat« ist »circlecircus« offiziell zu den 25 besten Fulldomekurzfilmen des internationalen Fulldomefestivals in Jena gekürt worden. Die beiden Kurzfilme werden auf der viertägigen Veranstaltung vom 22ten bis 25ten Mai dort zu sehen sein. Danke an die Jury.


02.05.2019

 

Fulldome-Kuppelprojektion »aquafloat« im Mannheimer Planetarium auf der Spacejazznights

Spacejazznights mit aquafloat

»aquafloat« ist eine stetig im Wandel begrif­fene gene­rative farben­prächtige Full­dome­projek­tion. Die große Menge geo­metri­scher Partikel erinnert an Fisch­schwärme oder Korallen­riffe. Vorder­grund und Hinter­grund durch­dringen sich auf raffi­nierte Weise und bilden einen un­definier­baren Zwischen­raum. Der anhal­tende Wechsel zwischen Ver­dich­tung und Auf­locke­rung der Ele­mente erzeugt eine leben­dige und vibrie­rende Atmo­sphäre. Farben glühen in der Dunkel­heit und erleuch­ten den Raum mit fort­währen­den Akzenten, mal tertiär gedämpft, mal primär leuchtend. Die dunkle See wird durch einen klaren und hellen Sonar­klang akustisch durch­schnitten, der in eine weite geister­haft umgebende Klang­fläche einge­bunden ist. Ein langsam und sich konstant wieder­holender sub­sonischer Schlag erweckt den Ein­druck einer medi­tativen düsteren Umgebung.

Meine sieben­minütige Full­dome­projektion »aquafloat« wird während der Space­jazz­night, einer Veran­staltungs­reihe des Plane­tariums Mannheim, zu sehen sein. »aquafloat« wird unter anderen Visuals die Live­konzerte von Jazz­musikern in der Projek­tions­kuppel des Plane­tariums beglei­ten.


26.03.2019

 

AV-Performance »Detect« von Marco Monfardini

Smog auf Augen und Ohren

Wer sich gegen Elektro­smog aller­gisch wähnt, bleibt audio­visue­llen Live­acts wie »Detect« lieber fern. Alle anderen kommen in den Genuss inten­siver Klang- und Licht­impuls­wellen.

Wir sind um­gegeben von elektro­magne­tischen Feldern, sind jedoch nicht in der Lage diese wahr­zu­nehmen. Die Viel­zahl von Smart­phones, Sende­masten und Sate­lliten um­hüllen uns mit einem dichten Feld künst­lich erzeugter elektro­magne­tischer Strahlung, deren Folgen auf unse­ren Orga­nismus weit­gehend un­bekannt sind.

Mit speziel­len Detek­toren macht Marco Monfardini den Dschungel an Elektro­magne­tismus be­ein­druckend sicht- und hörbar. Jeder Ort trägt seinen eigenen elektro­magnetischen Stempel – hier im Zeitraum Exit zwei Tage lang zuvor von der Medien­künstlerin Amelie Duchow mit einem Field Recorder auf­genommen.

Diese Aufnahmen ver­arbeitet Marco Monfardini in einem Live­act zu atmo­sphärisch dichten Pat­tern, rhythmisch wechselnd, mal getragen, mal hektisch flirrend, mal verdichtend, mal auf­lo­ckernd. Seine Perfor­mance zeigt eine erstaun­liche Kontrast­fülle gestal­terischer und audi­tiver Mittel.

In schlichtem Schwarz­weiß gehalten modu­lieren Muster unter zeit­weise inten­sivem Einsatz stro­bos­kopischer Mittel und sub­sonischer Bass­attacken. Zwischen brutalem Noise und feinen Click and Cuts schweben wir in die Dunkel­heit gebannt in den Augen­blick des radi­kalen Wechsels.

Seine Perfor­mance »Detect« bildet den Schluss­punkt des ein­wöchigen Medien­kunst­festivals B-Seite in Mannheim.


17.03.2019

 

Lichtinstallation FFF

FFF auf B-Seite Festival

Die autonom agierende Licht­installa­tion FFF spielt eine Partitur für vier Leucht­stoff­röhren. Jede Leucht­stoff­röhre hat einen eigenen Willen und schaltet sicht­bar und hör­bar Licht in variieren­den Zeit­abstän­den ein und aus. So erzeugt jede Leucht­stoff­röhre ihren eigenen Rhythmus – zusammen inter­agieren sie und bilden eine Partitur. Obwohl jede Leucht­stoff­röhre auf Zufalls­vorgän­gen basierend handelt, kann unser Gehirn nicht anders als in der pulsie­renden Installa­tion nach Mustern zu suchen. Künst­liche Intelli­genz hat ihre Stärken in der Muster­erkennung, gleich­zeitig suchen wir unsere Welt nach Mustern ab und inter­pretieren welche in sie hinein. Meine Installa­tion FFF ist vom 09. bis 16. März 2019 auf dem dies­jährigen B-Seite Festival in Mannheim zu sehen. Danke an die Organisa­toren.


21.02.2019

 

Das Kopen­hagener Stadt­haus »Industries Hus« – ent­worfen von der Archit­ekten­gruppe »Transform« – verfügt über eine program­mier­bare Digital­fassade aus LED­-Streifen.

Archi­tek­tur und Design als ge­sell­schaftl­iche Iden­ti­tät

Wer in Kopen­hagen nach Ein­bruch der Dunkel­heit ein­trifft und anfängt die Stadt vom Bahn­hof aus zu er­kun­den, wird augen­blick­lich von einer gigan­tischen inter­aktiven Fassade der Kopen­hagener Stadt­halle »Industries Hus« über­rascht. Ein grob karier­tes Muster aus LED­-Linien kontert und kontras­tiert dyna­misch den Archi­tektur­block. Während die Glas­fassade tagsüber das Stadt­bild reflek­tiert, wird sie nachts zur inter­aktiven programmier­baren Digital­fassade – aus der Nähe abstrakt, aus der Ferne konkret mit Buch­staben und Bot­schaf­ten.

Design hat sich als gesell­schaftlicher Wert in die DNA der Dänen ein­gebrannt und ist Teil ihrer Identität geworden. Dabei ist archi­tekto­nische Trans­parenz durchaus nicht nur formal gemeint, sondern spiegelt auch das gesell­schaft­liche Ver­ständnis dieses Volkes wider. Gleich­berech­tigter Zugang zur Bil­dung und Recht auf gutes Wohnen ist nahezu ein Grund­recht. Eine Inves­tition in Design und Archi­tektur ist eine Investi­tion in gesell­schaft­liches Gemein­wohl und öffent­lichen Raum.

Archi­tekto­nische Form wird als Ergebnis der Inter­aktion zwischen Mensch und seiner Umgebung ver­standen. Berück­sichtigt sie geo­grafische und kultu­relle Gegeben­heiten, gelingt ihr auch ein indivi­dueller Aus­druck. Im Gegen­satz dazu führt inter­natio­naler Stil zur Konfor­mität. Wird Archi­tektur gar ihres gesell­schaft­lichen Kontex­tes beraubt, ver­bleibt ledig­lich eine Form­hülle. Diese dient im Wett­streit um Origi­nalität höchs­tens noch als über­dimensio­niertes Flakon­fläschen – ein Fremd­körper im Stadt­bild. Archi­tekto­nische Form sollte jedoch immer jen­seits ökono­mischer und techni­scher Sach­zwänge eine künstle­rische Haltung zum Aus­druck bringen. Sie sollte sich weder ihrem Benutzer mit künstle­rischer Gezier­theit in den Weg stellen, noch sich einem allzu funktio­na­listi­schen Glauben unter­ordnen, sondern den Pfad dazwischen suchen.

Inter­natio­nal sorgte zuerst Arne Jacob­sen mit dem SAS-Hotel in Kopen­hagen im 20ten Jahr­hundert für Auf­sehen. Heute macht Bjarke Ingels mit dem innova­tiven Terrasse­nhaus »Mountain Dwellings« auf sich aufmerk­sam. Diese Stadt ist voller über­raschender Archi­tektur­juwelen. Solch einer ist auch die Dänische Natio­nal­biblio­thek von Schmidt Hammer Lassen Archi­tekten. Direkt am Hafen gelegen glitzert die dunkle Fassade »des Schwarzen Diaman­ten« im chan­gierenden Licht der Sonne und des Betrach­tungs­winkels. Auch Olafur Elliason ver­ewigte sich mit einer poe­tischen Brücke aus inein­ander­greifen­den Kreisen, die zu­gleich auch Schiffs­masten sein könnten. Rund um und in Kopen­hagen finden sich zahl­reiche weitere Bauten von natio­nalen und inter­natio­nalen Größen wie etwa Jean Nouvel oder Zaha Hadid.


07.01.2019

 

Die Grund­vigt­kirke in Kopen­hagen

Ein Raum­schiff wie eine Orgel

Hätte Metropolis eine Gebets­stätte, dann wäre es wohl die Grund­vigt­kirke im Kopen­hagener Stadt­teil Bispebjerg. Monu­mental majes­tätisch futu­ristisch und radikal zu­gleich in ihrem Erschei­nen. Ähn­lich einer gigan­tischen Orgel, die sich auf den Abflug in eine ferne Welt zwanzig­stimmig einschwingt. Zunächst kaka­phonisch um dann ganz im Sinne John Cages sich zu harmo­nisieren und mit einer gewal­tigen Stimme zu sprechen.

Sie wurde in den 20er Jahren von Peder Klint erbaut und mischt Back­stein­expressio­nismus mit klas­sischen goti­schen Elemen­ten. Die aus­schließ­liche Ver­wendung des gleichen Grund­elements – eines regio­nal typisch gelben Klinker­steins – verleiht der Grund­vigt­kirke eine besondere Ge­schlossen­heit. Selbst die Bögen des Altars sind treppig wie Lego gestaltet. Diese Wieder­holung von Elementen in allen Skalen model­liert gekonnt das Licht in viel­facher Weise und schafft ein beson­deres Erleb­nis.


07.01.2019

 

Googles Deep Dream: ein Neuronales Netzwerk im Van-Gogh-Modus auf einem Hieronymus-Bosch-Trip mit Salvador Dali vereint auf der Suche nach allem was keucht und fleucht.

Kann Künstliche Intelligenz kreativ sein ?

Ein Paradigmen­wechsel voll­zieht sich mit neuro­nalen Netz­werken in der Kunst. Beherrscht die Künst­liche Intelli­genz den Künstler oder beherrscht der Künstler die Künst­liche Intelli­genz ? Manche Künstler sehen ihre Rolle als Kuratoren von Daten­sets. Andere betrach­ten KI zwar als interessan­tes, jedoch nur weiteres neues Werk­zeug. Manche ver­sprechen sich neue, von Menschen noch ungedachte Sicht­weisen.

Die Frage nach der Macht­übernahme ist nicht neu. Konzept­kunst rückte bereits das Künstler­genie in den Hinter­grund. Die inter­aktive Kunst erlaubte dem Nutzer sogar Werk­manipu­lation. Ist die Frage nach dem Künstler­genie in der gegen­wärtigen Gesell­schaft über­haupt noch berech­tigt oder ist es mehr ein Konstrukt der Kunst­geschichte, ein gar von autori­tären Macht­verhält­nissen geprägtes Denken ? Wie viel Macht wollen wir einer künst­lichen Intelli­genz über­haupt zug­estehen, um unsere Existenz­grund­lage nicht selbst zu ver­nichten ?

Eins ist klar. Um kreativ sein zu können müsste ein neuro­nales Netz­werk Konzepte selbst erzeugen und nicht nur Muster in Daten­sätzen erkennen können. Was ein künst­liches Netz­werk neben einer Muster­erkennung leisten kann, ist das Erzeugen glaub­würdiger synthe­tischer Daten­mengen – etwa Gesich­ter von Menschen, die es gar nicht gibt. So­lange das Daten­set groß genug ist, lässt sich das morpho­logische Feld in mehreren Dimen­sionen inter­polieren. Was natürlich Fakes provoziert.

Es geht jedoch auch anders. Kombiniert man ein geringeres Daten­set mit her­kömm­lich program­mierten Regeln, kann der Daten­hunger gestillt werden. In dem Sympo­sium »inSonic – Algorith­mic Spaces« am ZKM gehen Künstler dem Einsatz von KI mit Talks und Perfor­mances nach. So erforscht beispiels­weise Quadra­ture das kosmische Grund­rauschen nach kulturellen Mustern mensch­lichen Ursprungs und stellt vor­läufig fest: Was uns heute als schwarzer Himmel erscheint war vor Ur­zeiten – als Photonen noch genug Energie hatten – knall­bunt und ganz und gar nicht düster.


08.12.2018

 

Refik Anadol visual­isiert hier Gehirn­ströme in Bewegung. Zu sehen ist die Instal­lation noch bis Ende Januar im ZKM in der Aus­stel­lung »Open Spaces - Digitale Codes«

Nadeln im Heuhaufen

Museen richten ihren Blick oft in die Ver­gangen­heit und glori­fizieren zumeist ab­geschlos­sene künst­lerische Ent­wick­lungen. Selbst die so­genan­nte »moderne Kunst« ist mittlerweile 100 bis 150 Jahre alt. Aktuelle digi­tale Kunst sucht man in Museen ver­gebens – obwohl unsere Gegen­wart von Digita­lisie­rung und Program­mierung bestimmt wird.

Zu sehr orien­tiert sich der Kunst­begriff am Hand­werk – obwohl er gleich­zeitig pro­klamiert, imma­teriell und ver­geistigt zu sein. Als ob die den­kende Hand dem den­kenden Kopf überlegen sei. Was kann imma­terieller und geist­iger sein als ein in Maschinen­sprache über­setzter mensch­licher Gedanke, der visuelle Gestalt an­nimmt ? Das Programm als mensch­liche Extension eines Menschen­gehirns mag einem tradi­tio­nellen Kunst­verständ­nis wie ein Alien vor­kommen, weswegen es Konser­vative auch nicht ein­zuordnen ver­mögen.

Wer sich für digi­tale Kunst interes­siert wird sie eher auf Festi­vals, in Clubs und im Inter­net finden. Medien­künstler wie Refik Anadol oder Memo Akten beein­flussen Gegen­wart und Zukunft. Künst­liche Intelli­genz wird das Design von morgen verändern, auch wenn es anders sein wird wie das Wort einem sugge­rieren mag.


02.12.2018

 

Die Kreisatur des Quadrats

Joseph Albers würde sich im Grab umdrehen. James Turell tanzt dagegen im Licht. Während der eine schema­tische Farb­feld­studien im quadratischen Format mechanisch exerziert, zieht der andere sanfte Ellipsen von Farb­ton zu Farbton. In einem unwirklichen Raum der wie eine Fläche wirkt vollzieht sich die magische Licht­kunst­medi­tation. Mit dem Tempo einer gebrech­lichen Madame beim Versuch die Straße im beschau­lich mondänen Baden­-Baden zu über­queren schleichen seine Licht­installationen von einer Farb­nuance zur nächsten.

Vor allem die begeh­baren Ganz­felder haben eine immersive Wirkung auf den Betrachter. Man rätselt über die Beschaffen­heit dieser Räume bei denen kaum zwischen Räum­lichem und Flächigem zu unter­scheiden ist. Man taucht förmlich ins Licht hinein und schwebt im farbigem White­cube der Kunst. Selbst­verständ­lich an­dächtig und und in sich gekehrt. James Turell sieht in seiner Art der Kunst eine spiri­tuelle Erfahrung, die eine univer­sellere Sprache spricht als das Branding von Religionen.

Kaufen lassen sich seine Werke in Form von Gebäuden mit offenem Dach, die den Himmel im Quadrat einfangen und mit farblich wechseln­dem Licht illuminieren – das nötige Klein­geld voraus­gesetzt. Wer es billiger haben will schlägt ein recht­eckiges Loch in sein Dach oder besucht das Burda­museum in Baden­-Baden und über­zeugt sich selbst.


15.09.2018

 

Das Haus mit der eulerschen Zahl

Die Gegend hatte wenig Glanz. Ein Vor­ort einer großen geschäf­tigen Metro­pole in Norden Italiens an einer gewöhn­lichen Durch­gang­straße. Dennoch waren einige Interes­senten vor Ort. Schließlich handelte es sich um ein neu gebautes und modernes Haus mit einigen Raffi­nessen. Zudem war es frei­stehend. Der Klang der numerischen Haus­nummer schien ihnen so vertraut, dass sie sich un­mittel­bar ent­schieden. Sie zogen nicht ein. Sie mieteten sich statt­dessen in der Nähe ein. Nun wollten sie es definitiv verkaufen, die Suche gestaltete sich jedoch zäh.

An manchen Tagen glaubten Sie es läge an ihren Namen jüdischer Herkunft, an anderen Tagen machten sie die Nummer am Haus mit der euler­schen Zahl scheinbar un­endlicher Länge dafür ver­antwort­lich. An besseren Tagen suchten sie ihre un­gewollte Bleibe auf und inspi­zierten sie näher. Ein kompli­zierter Mecha­nismus sorgte dafür, dass Türen dort auf und wo­anders wieder zu­gingen. Durch Schieben von Fenstern im Wohn­zimmer konnte man die Haus­tür ver­schließen, zumindest sah es gelegent­lich so aus. Manch­mal blieben Lichter an. Manch­mal blieb ihre Wohnung auf obwohl niemand drin war.

Sie wollten der Sache auf den Grund gehen. Es ließ ihnen keine Ruhe. Sie nahmen es Stück für Stück aus­ein­ander und schauten nach. Mal rissen sie den Dach­first in Stücke, mal klopften sie den Boden auf, mal unter­suchten sie fieber­haft das Gebälk. Seit­dem das Haus von allen Seiten dicht umbaut war, fühlten sie eine klaustro­phobische Enge. Die Sicht aus dem Wohn­zimmer durch die groß­zügigen Panorama­fenster reichte einen halben Meter bis zur gemauerten Wand des nächsten Anwesens. Sie hatten von einem bau­gleichen Haus in der Nähe von Rom gehört. Es hieß es läge in der Straße zur Hölle.


07.09.2018

 

Licht am Ende des Tunnels

Es kriecht, es flitzt, es schwebt – ein Sammel­surium aus selbst­gemalten und gescannten Tieren wie Ei­dechsen, Kroko­dilen und Fröschen bevöl­kert einen digitalen Spiel­platz. Alles zappelt. Mitten­drin ein Irren­haus voll mit kreischenden und motorisch über­motivierten Kindern. Denn die Tiere kann man zer­quetschen. Bunte Farb­explosionen verteilen sich über die ganze Fläche, sobald sie eins er­wischen.

Ich lasse den Pulk der notorischen Quäl­geister hinter mir und folge dem Licht aus der Dunkel­heit. Einen schmalen Gang entlang. An den Wänden begleiten mich seltsame Figuren japanischen Ursprungs. Sie weisen mir den Weg. Am Ende des Tunnels Licht. Ein gigan­tischer Raum öffnet sich – eine meter­hohe Klang- und Licht­immersion, ein wahrer Farb­rausch. Buch­stäblich jede Fläche ist in Licht getaucht. Ein zehn Meter hoher digi­taler Wasser­fall stürzt die Wand herab und fließt weiter den Boden entlang. Da­zwischen ein Meer japanischer Kirsch­blüten. Die Wasser­strahlen reagieren auf die physische Anwesen­heit ihrer Betrach­ter und umfließen diese. Alles ist in Bewegung wandelt sich, entsteht und vergeht. In unter­schiedlichen Rhythmen und Geschwin­dig­keiten.

Die Macher der Installation unterscheiden nicht zwischen Kunst und Natur. Für Team­lab ist es es eins. Eine ganze Heer­schar synchro­nisierter Projek­toren verwandelt die Grande Halle de la Vilette in Paris in eine Welt voller fantas­tischer Dinge. Viel­fache Partikel­systeme und zahlreiche autonome Agenten im Schwarm­modus erwecken diese Welt zum Leben. Mal sind es Kirsch­blüten, mal Sonnen­blumen, mal Bäume – mal regnet es, mal schneit es, mal zieht ein magischer Regen­bogen seine Bahnen. Ab und an zieht ein Vogel­schwarm seine Runden und kondensiert seine Spuren als Licht­bögen. Das welt­weit agierende multi­disziplinäre Kollektiv aus Japan lotet die Grenzen des Mach­baren aus. Die mehrere Instal­lationen umfas­sende Aus­stellung ist in Europa zum ersten Mal zu sehen.


28.08.2018

 

Signale aus dem Hier und Jetzt

Eine raum­füllende audio­visuelle Instal­lation, drei auf zwanzig Meter Lein­wand. Reine Sinus­töne er­klingen, zu Sequen­zen digitalen Morse­codes komponiert. Bannen den Betrachter in Trance. Signale aus dem Hier und Jetzt. Das archaische Mantra des Over­kills im Informations­zeitalter erscheint hier ultraklar in Ton und Form. In einer atem­beraubenden Geschwin­digkeit schießen rhythmische Zahlen­bänder über die Fläche – Informations­partikel­systeme die die Welt bedeuten. Als befänden wir uns in der Mitte des globalen Infor­mations­rausches. Von Dunkel­heit umgeben, trans­zendent erleuchtet von der Materie des Daten­stoffs. Claude Shannons Infor­mations­theorie künstle­risch interpretiert.

Auf der anderen Seite seltsame schwarze Antennen­laut­sprecher in einem weißen Raum. Auf der Suche nach außer­irdischen Lebens­zeichen. Ein Feld von Sinus­tönen erklingt und verteilt sich im Raum. Alle auf den Kammer­ton a gestimmt, dem Grund­ton westlicher Musik. Die schwebenden Sinus­töne inter­ferieren, modulieren, bilden ein durch­schreitbares Quanten­feld von Wahr­schein­lich­keiten. Der Gegen­satz des Binären ist das Wahr­schein­lich­keit­sfeld. Heisen­bergs Welle-­Teilchen-­Dualismus beschreibt zum einen das Ein­deutige zum anderen das Mögliche als Gegen­satz ein und der selben Sache. Auf der einen Seite schwarz, auf der anderen weiß. Zwei Seiten einer Wahr­heit als Installations­raum mit einer Wand dazwischen. Der Durch­gang ein Spalt, der Besucher wie Partikel durchlässt. Der in Paris lebende japanische Künstler Ryoji Ikeda hat derzeit eine Einzel­ausstel­lung im Centre Pompidou.


27.08.2018

 

Die Welt kodieren

»Coder le monde« heißt die aktuelle Ausstel­lung des Centre Pompidous. Sie untersucht den Einfluss von Computern und Programmierung auf Sprache, Generative Gestaltung, Architektur und Design, Musik und Performance­tanz. Fundiert recherchiert von den Anfängen im 20ten Jahr­hundert bis in die Gegen­wart werden mehrere Zeit­leisten aufgerollt und durch spannende zeit­genössische Exponate der Ordinateur­kunst aufgeloc­kert.

Zunächst über­blicken wir die Pioniere der Computer­techno­logie. Bereits 1822 stellte Charles Babbage eine Differenz­maschine her. Darauf folgte der erste auf Loch­karten­basis programmier­bare Computer der Welt. Seiner Zeit voraus verblieb jedoch die Analytic Engine im Prototyp­stadium. Die damalige Fein­mechanik konnte mit den Anforde­rungen nicht schritt­halten. Dennoch schrieb Ada Lovelace als erste Programmie­rerin der Welt etliche Computer­programme für die besagte Analytic Engine. Sie erkannte über öko­nomische Effizienz­gedanken hinaus die Möglich­keiten programmierter Kunst und Musik. Die geplanten Loch­karten kamen zu dieser Zeit bereits in Web­stühlen zum Einsatz.

Viele weitere Persön­lich­keiten ebneten den Weg des Computers und seines Gebrauchs in unterschied­lichen Diszi­plinen. Alan Turing mit seiner Turing­maschine zur Ent­schlüsselung der Enigma. Norbert Wiener mit seiner Kyber­netik, die Rück­kopplungen in autonomen Systemen beschreibt. Claude Shannon mit seiner Informations­theorie und der Erfindung des Bits als elemen­tarste Informations­einheit. Max Bense mit seiner Informations­ästhetik und dem Versuch, die Informations­theorie auf Kunst zu über­tragen.

Zeitgleich mit Bense erschienen die ersten genera­tiven Künstler auf der Bild­fläche. Auf deutscher Seite Frieder Nake, Georg Nees, Herbert Franke und Manfred Mohr. Auf ameri­kanischer Seite Michael Toll und Bela Julesz. Sowohl die Bell Laboratories als auch das MIT prägten die Entwicklung der Computer­kunst. John Maeda gilt als neuerer Weg­bereiter der Fusion von Grafik­design und Infor­matik. Ben Fry und Casey Reas trugen mit der Opensoure­-Software Processing zur Popula­risierung von Program­mierung wesent­lich bei. Deutlich sicht­bar wird auch die Rolle des IRCAM, einem Institut des Centre Pompidous. Gegründet von Pierre Boulez widmet es sich den Programmier­aspekten von Musik.

Über künstle­rische Disziplinen hinweg ist erkennbar, wie mathema­tische Modelle von Visionären und Unerschrockenen in kreativer Art eingesetzt werden. Aus zellulären Automaten lassen sich beispiels­weise Skulpturen mit sogenannten Voxeln formen oder Bewegungs­studien für Choreographien ab­leiten. Auch hier ist einfach wieder künstlerische Phantasie gefragt. Darüber hinaus die Bereitschaft, vom Drang des unmittel­baren Gestaltens ablassen zu können. Wer sich darauf ein­lassen kann, gestal­terische Mittel zu analysieren, zu abstra­hieren und in eine formale Sprache zu über­setzen, wird hier mit­spielen können.


27.08.2018

 

Aliens über Amsterdam

Ein Drohnen­schwarm bewaffnet mit Licht­quellen steigt über dem Himmel von Amster­dam auf. Die Drohnen reagieren auf­ein­ander und folgen Mustern der Selbst­organi­sation. Im Kunst­kontext  kann ihre Form nicht vor­her­gesehen werden. Es ist Abend und dunkel. Von den Drohnen sind nur Lichter zu sehen. Dafür sind sie um so besser zu hören. Wie ein geballter Mücken­schwarm summen sie sich ihren Weg in der Drei­dimendiona­lität des freien Raums über einer Wiese im Norden der Stadt jen­seits des Flusses. Ihre Lichter modulieren zusätzlich in Hellig­keit. Geschaffen hat diese Bio­kunst Studio Drift, das mit einer Einzel­aus­stel­lung im Stedelijk Museum der­zeit präsent ist.


17.08.2018

 

Kunst im Dunst

Ein Mann robbt kniend Rembrandts Meister­werk ent­gegen. Demütig streckt er seine Arme Rich­tung des Tafel­bildes. Ein Schelm wer da an Gläubige denkt. Bürgerliche Kunst im Dunst kirch­lichen Weihrauchs ? Wie kann das sein ? Gut und böse, schön und häss­lich, gut und schlecht. Wer braucht schon Argumente wenn er seinen Glauben an die gute Form hat ? Wer sinnlich nach trans­zendenter Wahr­heit sucht braucht keine Logik mehr. Mysti­fizier­te Wissen­schaft hieß früher Alchemie - die Prakti­zieren­den: Quack­salber. Warum sich die Mühe machen, Metho­dik zu objekti­vieren ? Der­weilen bleibt die Beur­teilung von Kunst und Design Geschmack­sache. Glaube es wer mag. 


16.08.2018

 

Map­ping-­Work­shop mit Lucas Gutierrez

Mit dem eigenen Laptop mitten im Museum, zwei Tage lang Video­kunst produ­zieren, neue Programme lernen und das alles in einer an­regen­den inter­nationalen Gruppe – möglich wird's im ZKM mit »Laptop Friends«: einem Work­shop, der am 3. und 4. August 2018 statt­findet.

Ein­gebun­den ist »Laptop Friends« in ein experimen­telles Aus­stellungs­format, das bislang wohl einzig­artig in der Museums­landschaft ist. »Open Codes – Leben in digitalen Welten« verwan­delt das Museum in eine Mischung aus Labor, Work­space und Lounge. Der Museums­besucher erhält eine völlig neue Rolle: statt sich als passiver Besucher der kirchen­haften Atmo­sphäre des Museums hin­zu­geben, wird er zum aktiven Pro­duzen­ten im lockeren Work­space.

Und genau diesen inno­vati­ven Rahmen nutzt der inter­natio­nal tätige Medien­künstler Lucas Gutierrez für seinen Map­ping-­Work­shop »Laptop Friends«. Auf dem Programm stehen Mad­mapper und Modul8. Unsere Gruppe bespielt einen Wand­schrank mit mehre­ren Türen, der sich mitten in der Aus­stellungs­landschaft befindet. Wir ver­wenden die Türen als Raster, um einer­seits vor­han­dene Video­loops zu proji­zieren. Anderer­seits er­stel­len wir neues Video­material, mani­pulieren und ver­zerren dies in Echtzeit – inter­aktives Live-Mapping mitten im Museum. Den Abschluss krönt dann Lucas Gutierrez mit seiner audio­visuellen Performance.


05.08.2018

 

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern

Das Zölibat lastet auf Geist­li­chen wie ein Fluch. Immer wieder werden Chor­knaben und andere junge Menschen unter der Ob­hut der katho­li­schen Kirche miss­braucht. Wie sinn­voll ist diese selbst­verord­nete Ent­halt­samkeit, wenn sie zu solch offen­sicht­lichen Irr­wegen führt? Die Regens­burger Dom­spatzen sind nur ein Vor­fall von vielen.

Aus 2200 Ein­rei­chun­gen aus 53 Ländern schafft es mein Ent­wurf unter die 100 ersten. Die Short­list des Wett­bewerbs »Mut zur Wut« wird auch dieses Jahr im Land­gericht Heidel­berg Ende Juli zu sehen sein. Vielen Dank an die Jury.


08.06.2018

 

Mario Klingemanns Portrait einer synthetischen Frau ziert das Titelmotiv der Konferenz

Die KI-Büchse der Pandora

Künst­liche Intelli­genz ist nicht neu - jedoch die enormen Summen, die private Unter­nehmen darin inves­tieren. Ein Grund für die gegen­wärtig rasante Ent­wicklung neuro­naler Netz­werke ist sicher die Rechen­power heutiger Computer.

Künst­liche neuro­nale Netz­werke lernen durch statis­tische Auswer­tung großer Daten­mengen. Viel­ver­sprechen­de Ergeb­nisse liefern sie in der Muster­erkennung, der Über­setzung, der Sprach­erken­nung sowie begin­nend im auto­nomen Fahren. Ihre Fähig­keit, Regeln aus Date­nmate­rial selbst­stän­dig abzuleiten, macht sie beson­ders. Hierin liegt auch das großes Poten­zial von neuro­nalen Netz­werken - denn im Gegen­satz dazu müssen beim her­kömm­lichen Inge­nieur­ansatz alle Regeln auf­wendig ein­program­miert werden.

Was genau im Inneren des neuro­nalen Netz­werks vor sich geht, ist jedoch un­bekannt. Die Black­box des Deep Learnings macht maschi­nelle Ent­scheidun­gen schwer nach­voll­zieh­bar und ängstigt des­wegen viele Menschen. Gorillas, die von Schwarzen nicht un­ter­schie­den werden könn­en, und Bots, die sich auf Rassis­mus trai­nieren lassen, zeigen Grenzen dieser Techno­logie auf. Ent­halten bei­spiels­weise Trai­nings­daten einer KI Vor­ur­teile, werden diese von der Ma­schine eben­falls über­nom­men.

Damit die neuro­nalen Netze mög­lichst valide sind, müssen sie mit enormen fehler­freien Daten­sets trai­niert werden. Dieser große Hunger nach Daten geht Hand in Hand mit gesell­schaft­lichen Über­wachungs­tenden­zen. Ferner er­fordert die Auf­berei­tung der Daten­sets eine Heer­schar von Click­workern - ein neues digitales Prole­tariat ent­steht.

Eines ist sicher: Künst­liche Intelli­genz wird unsere Gesell­schaft und unsere Medien­wirklich­keit nach­haltig ver­ändern. In einem zwei­tägi­gen Symposium am ZKM tagten zahl­reiche Wissen­schaftler und Künstler und gingen Fragen ges­ell­schaft­licher Aus­wirkun­gen nach.


29.04.2018

 

Die Tört­chen des Walter Gropius

Walter Gropius hat mit dem Bau der Bau­haus­schule in Dessau eine Archi­tektur­ikone mit der vor­gehäng­ten durch­gehen­den Glas­fas­sade und einer Menge ander­er raffi­nierter De­tails ge­schaf­fen, die seiner Zeit weit voraus war und auch heute noch wie ein futu­risti­sches Boll­werk in dem beschau­lichen Städt­chen Dessau wirkt. Weniger be­kannt sind wahr­schein­lich die städte­baulichen Sozial­experi­mente in der Törten­sied­lung, einem Vor­ort von Dessau. Hier wurde die spä­tere Platten­bau­weise in experi­men­teller Art vor­weg­genom­men und erprobt. Ganz im Gegen­satz zu den fan­tasie­losen Platten­bauten der Nach­kriegs­zeit ist hier noch erstaun­lich viel Raum für Ästhe­tik, die keinen Gegen­pol zur Ratio­nali­sierung bildet.

Die Ein­familien­häuser in Reihe gebaut stam­men eben­falls von Walter Gropius. Die Fenster­bänder sind hier so hoch im Raum an­ge­bracht, dass man im Sitzen einen wunder­schönen Aus­blick auf die Wand hat. Gedacht war natür­lich Platz und Stau­raum für Kom­mo­den in kleinen Räumen auch an Fenster­stel­len zu schaffen.

Ähn­lich einer Fabrik­halle in Miniatur lässt diese Kon­stru­ktion erstaun­lich viel Licht in den Raum. Die oft kopierte Idee der gra­phisch wirkenden Fenster­bänder beweist in der Reihen­haus­sied­lung vor allem, dass Gropius im Zweifel der Form den Vor­zug vor Funk­tion gegeben hat. Das Ergebnis ließen sich die Eigen­tümer frei­lich nicht gefallen. Fast alle Fenster­bänder wurden durch tie­fer­liegen­de klassische Doppel­fenster ersetzt, die ein wesen­tlich dunkleres höhlen­artiges Erlebnis des Licht­einfalls versprachen – dafür jedoch in Sicht­höhe der Couch.

Deutlich groß­zügiger konnte Gropius bei den Meister­häusern vor­gehen. Trotz der größeren Wohn­flächen sind auch hier Treppen­haus und vor allem Türen auf knapp einen Menschen zu­ge­schnit­ten – Eine natür­liche Barrie­re, die ver­hin­dern sollte zu viel Mobiliar ins Haus zu befördern. Statt­dessen war an­ge­dacht, die reich­lich vor­han­denen Ein­bau­schränke nutzen.

Im Gegen­satz zur Walter Gropius hatte Hannes Mayer ein deut­lich glück­licheres Händchen was den Sozial­bau an­ging. Seine Lauben­gang­häuser sind echte Bau­haus­projekte mit der Archi­tektur­klasse des Bau­hauses rea­lisiert. Diese werden noch heute so gut wie un­ver­ändert bewohnt.


02.04.2018

 

Von Künstlern und Wis­sen­schaft­lern

Der Dialog zwischen Kunst und Wissen­schaft wird gewünscht, findet jedoch selten statt. Das Symposium »The Future of Light Art« im ZKM möchte das ändern und erhellt zwei Tage lang Fort­schritte in der Quanten­physik des Lichts und reflektiert den Stand der Licht­kunst.

Licht taucht als neues For­schungs­gebiet am wissen­schaft­lichen Hori­zont auf – in vielen Be­rei­chen: Ein­heit­liches Nano­material wird auf der Ober­fläche eines Objekts appli­ziert und in Größe und Abstand modu­liert. Die Modu­lation beein­flusst die Licht­brechung und erzeugt uv-­resis­tente und hitze­bestän­dige Farben.

Holo­gra­fische Projek­toren zaubern drei­dimen­sionale Gegen­stände aus Licht in dunkle Räume. Güns­tige LED-Quellen – Fluch und Segen zugleich – führen zur zuneh­menden Licht­verschmu­tzung des gesam­ten Planeten und wirken sich auf Pflanzen, Tiere und Menschen aus. Der Sternen­himmel wird zum Relikt vergan­gener Tage.

Die bläu­lichen Bild­schirme von Smart­phones unterdrücken unseren Melatonin­spiegel und bringen unseren Schlaf-­Wach-­Rhyth­mus durch­ein­ander. Wer kontrol­liert das Licht im urbanen Raum ? Braucht es eine Licht­demo­kratie? Werden sich Archi­tekten ihrer Verant­wortung bewußt oder über­lassen sie diese den Unternehmen?

Künstler wie Villa­real nehmen sich der­weilen der Golden Gate Bridge an, erschaf­fen mit einem LED-­System und progra­mmierten Licht­mustern ikono­graphische Werke. Das japa­nische Super­kollektiv Team­lab lässt seine Zu­schauer Teil ihrer immer­siven Licht­kunst­werke durch Inter­aktion und Gene­rativi­tät werden. Im Gegen­satz zu klas­sischen Wand­gemälden werden die Betrachter hier zu Akteuren in einer gemein­samen multi­senso­rischen, synäs­the­tischen und nicht zuletzt sinn­lichen Er­fahrung.


10.02.2018

 

Brahms pfeift aus dem letzten Loch

Während Brahms am Be­atmungs­gerät hängt und drei Akkorde in Dauer­schleife von sich gibt, führt das Bruckner-Orchester-Linz klas­sische Musik während der großen Konzert­nacht auf. Ein neuronaler Zell­klumpen kämpft über zwölf Laut­sprechern gegen einen Klavier­spieler und produziert dabei brutales Rauschen, Zirpen und Knattern. Ein Musiker schreit sich – ausge­stattet mit Glas­splittern und Piezo­mikrofon – in einem Akt der Selbst­zerstörung ohren­betäubend die Seele aus dem Leib.

Um sechs Uhr morgens auf­stehen, um zwei Uhr morgens ins Hotel zurück­kehren, vier un­ermüd­liche Tage lang. Das Programm der Ars Electronica ist reich­haltig und grenzt an Selbst­erfahrung. Künstliche Intelli­genz ist das Thema und handelt eigentlich von uns selbst. Das künstliche Ich ist das andere Ich. Und ganz und gar menschlich, weil wir unser eigenes Spiegel­bild in Techno­logie mani­festieren.

Das Areal des ehe­maligen Post­vertei­lungs­zen­trums in Linz ist digi­taler Schaup­latz und Spiel­platz zugleich. Im Atom­schutz­bunker befin­den sich Medien­kunst­instal­lationen, im ober­irdi­schen Teil des Gebäudes an­ge­wandte gestal­terische Exponate, Konfe­renzen, Works­hops und studen­tische Arbei­ten. In der Gleis­halle mit rohem Indus­trie­charme fin­den Kon­zerte und Perfor­mances statt. Weitere Veran­stal­tungs­orte sind über die Stadt verteilt. Aus dem be­schau­lichem Städt­chen wird ein­mal im Jahr eine inter­natio­nale Medien­kunst­metro­pole.


06.10.2017

 

Mut zur Wut Finalist 2017

Jedes Land bekommt den Herr­scher, den es verdient. Popu­listen zeichnen gerne schwarz­weiße Bilder, um Stimmung zu machen. Stimmung gegen Auslän­der, Stimmung gegen Anders­den­kende. Die Welt wird in Gut und Böse polarisiert – auf der einen Seite die Un­schuld in Person, auf der anderen das Sata­nische per se. Mein Plakat »3k« ist Teil der Ausstel­lung »Mut zur Wut«, die Ende Juli im Land­gericht Heidel­berg zu sehen ist. 1520 Teil­nehmer aus 51 Ländern reichten ingesamt 3147 Plakate ein. Mein Entwurf »3k« zählt zu den 100 Fina­listen. Danke an die Jury.


23.05.2017

 

Technobomben über Belgrad

Belgrad war zu Zeiten des Ost­blocks block­frei und bereits west­lich orien­tiert. Die selt­same Zerissen­heit des Landes und die Kriegs­nachwehen sind noch all­gegen­wärtig. Durch die kyril­lische Schrift im städ­tischen Raum fühlt man sich im tief­sten Russ­land - Gaz­prom thront beim Ein­fahren durch Neo­grad, dem Platten­bau­teil, ins Stari­grad, dem histo­rischen Teil der Stadt. Balkan­kombos ziehen hier bis spät in die Nacht durch die Gegend und singen zusam­men mit ange­heiter­ten Touris­ten oder spielen direkt in Restau­rants und ziehen von Tisch zu Tisch.

Mann und Frau orien­tiert sich hier ent­weder am Osten, schwärmt für den kyril­lischen Ein­fluss und feiert zu Balkan­pop mit Zigeuner­charme – oder ent­scheidet sich für den Westen, für das Digi­tale und tanzt zu elektro­nischen Klängen in rauen Techno­bunkern. Draußen drei Grad, innen ein in die Wand geschla­genes Loch, um die Musik- und Licht­anlage mit einem Strom­kabel zu ver­sorgen. Ich bin hier auf dem Reso­nate-­Festi­val und werde direkt in die Zukunft ge­schos­sen.

Auf der Bühne steht ein schwarzer Mann in einer selt­samen Kluft – eine Mischung aus Zwangs­jacke und Abend­garde­robe. Er steht mit dem Rücken zum Pub­likum um­hüllt vom Nebel und schreit eine gefühlte Ewig­keit un­ver­ständ­liche Dinge zu har­schem Noise. Plötz­lich ändert sich der Sound, wird tanz­barer – der Krei­scher springt direkt ins Publi­kum und bahnt sich mit körper­licher Präsenz den Weg. Während Bom­ben über Bel­grad fielen, tanz­ten die Bel­grader zu Techno. Die Musik scheint die Kriegs­erle­bnisse zu ver­arbei­ten. Die raue und kaput­te Atmo­sphäre des Clubs spiegelt sich im Stadt­bild wider - vom Sozia­lismus runter­gewirtschaf­tete Fassa­den, vom Krieg zer­störte Gebäu­de und graffiti­verzier­te Wände. Techno ist tot, lang lebe Techno.


13.05.2017

 

Geräu­cher­ter 3D Schinken im Barock­rahmen

Warum muss ein digi­taler Knopf aus­se­hen wie ein ana­loger? Sei es Nostal­gie, eine wage Zukunfts­angst oder der Wunsch, möglichst viele Menschen in der analogen Welt ab­zu­holen – der Drang, die echte Welt digital nach­zu­bilden, ist groß. Diese Tendenz heißt Skeuo­morphismus.

Möglicher­weise hat die Kunst­geschichte mit der digitalen Entwicklung viel mehr gemeinsam als auf den ersten Blick ersicht­lich. In der Bildenden Kunst war zunächst das hand­werkliche Können das zentrale Betätigungs­feld des Künstlers: ob ein exakter Falten­wurf oder die perfekt gemalte mensch­liche Physio­gnomie – ein möglichst natur­getreues Abbild der Realität stand jahr­hundert­lang im Vorder­grund. Die Erfindung des Foto­apparats führte zu einer Eman­zipation der Kunst von der Gegen­ständlich­keit hin zum Geis­tigen und Abstrak­ten.

Im Inter­face-­Design lässt sich eine ähnliche, jedoch extrem be­schleu­nigte Entwick­lung beo­bachten: So ahmten bei­spiels­weise digi­tale Kalender oder Notiz­bücher vor einigen Jahren noch ihre ana­logen Pendants nach – inklusive Leder­einband, Esels­ohren und Ring­bindung. Drei­dimen­sionalität wurde mit­hilfe einer komplexen Schatten­gebung vor­getäuscht, Texturen waren exakt modelliert – ein hand­werklich perfekter Skeuo­morphismus. Diese Dar­stellungs­form gilt im Inter­face­design mittler­weile als über­wunden. Die Abstrak­tion von Form mündet in der digi­talen Gestal­tung im so­genann­ten Flat­design. Dabei werden Benutzer und seine Erfahrung in den Mittel­punkt gestellt – weg vom Gegen­ständ­lichen hin zum Abstrak­ten.

Ganz anders sieht es jedoch in der vir­tuellen Realität aus: Hier steht noch das Hand­werkliche im Vorder­grund, die perfekte Nach­ahmung der »echten Welt« – ein geräu­cher­ter 3D-­Schinken im Barock­rahmen. Welche Rich­tung schlägt die drei­dimen­sionale Gestal­tung ein? Wird auch hier die Abstrak­tion Einzug halten?


19.01.2017

 

Streetart als kulturelles Bedürfnis

Auf der Suche nach einer rauen und grafi­schen Iden­tität Londons landet man un­weiger­lich im Osten der Stadt – genauer gesagt in Shoreditch. An jeder Ecke lauert schon das nächste Werk, das darauf wartet entdeckt zu werden – manch­mal laut, als monumen­taler Igel an einer riesi­gen Haus­wand, manch­mal leise, als Mosaik­schild­kröte an einem Haus­ein­gang, und manch­mal un­schein­bar, als bemal­tes Kau­gummi direkt auf dem Geh­weg. Gift­grüne Pilz­skulp­turen schmücken Haus­dächer und er­weitern das Medium über die Wand hinaus. Jeder Artist hinter­lässt eine un­ver­kenn­bare gra­fische Duft­marke – meist als Stil­mittel oder Medium. Er brand­markt dabei mög­lichst viele Orte in der Stadt, um seinen Fame zu steigern.

Wird ein vor­han­denes städ­tisches Zeichen gehackt und in seiner Bedeutung um­codiert, mutiert Street­art zum so­genan­nten Urban Hacking. Ein Ein­fahrt-­Verbo­ten-­Schild ver­wan­delt sich in einen mittel­alter­lichen Pranger. Die Schlicht­heit der gra­fi­schen Mittel er­innert hier an die Ge­stal­tung von Logos.


18.08.2016

 

Mut zur Wut Finalist 2016

Europa tarnt sich vor Flücht­lingen. Europa zäunt sich mit Stachel­draht ein. Europa wird zuneh­mend mili­tant, reak­tionär, natio­nalis­tisch und un­solida­risch – die euro­päische Idee droht zu ver­schwim­men. Die Ten­denz zur Radika­lisie­rung der Gesell­schaft schreitet fort. Mein Plakat »Camouflage Europe« ist Teil der Ausstel­lung »Mut zur Wut«, die bis zum 15. August im Land­gericht Heidel­berg zu sehen ist. Rund 1100 Teil­nehmer aus 58 Ländern reichten ins­gesamt mehr als 2000 Plakat­entwürfe ein. Mit »Camouflage Europe« zähle ich zu den 100 Fina­listen.


28.07.2016

 

30 Jahre Plakat­wett­be­werb des deut­schen Studen­ten­werks

Der Plakat­wett­werb des deut­schen Stu­denten­werks feiert sein 30-­jäh­riges Jubi­läum. Die Hoch­schule Mann­heim gestal­tet die zuge­hören­de Fest­schrift in Form eines Buchs. Ich liefere hier­zu Infor­mations­grafiken zu verschie­denen Aspek­ten des Wett­bewerbs. Im Spannungs­feld zwischen Illus­tration und Program­mierung entwickle ich kleine Geschich­ten, die bei­spiels­weise die dra­matisch anstei­gende Anzahl der einge­reich­ten Plakate erzäh­len.


20.03.2016

 

Corporate Geometry

In Frank­reich wird dem Hexa­gon nicht nur sym­boli­sche sondern auch identi­täts­stif­tende Be­deutung bei­gemes­sen. Die Form leitet sich von einer geo­gra­phisch sta­bilen Landes­grenze ab, die seit zwei­hundert Jahren politisch Bestand hat. Diese Vorliebe für Geo­metrie scheint sich auch im Grafik­design und in der Archi­tektur wider­zu­spiegeln.

In öffent­licher Kommuni­kation bei­spiels­weise hat man keine Scheu, geo­me­trische Dis­play­schrif­ten zu ver­wenden, die hier­zu­lande nur auf Techno­flyern denkbar wären. Das arabische Kultur­zentrum in Paris des Star­archi­tekten Jean Nouvels etwa ver­bindet auf geschickte Weise ein morgen­ländisch anmutendes Muster mit dem identi­täts­stif­tenden Symbol Frank­reichs – dem Hexagon.


29.09.2015

 

Stuhl­experi­ment im Niggli-Verlag

Vom Stuhl, zur Bank, zum Bett – die morpho­logische Verwand­lungs­reihe lädt zum Erkun­den und Schmun­zeln ein. Aus­gehend von einem schlichten Stuhl unter­suche ich mit­hilfe von Processing gestal­terische Para­meter. Die Ergeb­nisse chan­gieren zwischen ein­deutigen Gebrauchs­gegen­stän­den und absurden Phan­tasie­objekten. Dieses program­mierte Stuhl­experi­ment ist unter anderem mein Bei­trag zum Buch »Experi­mentelle Gestal­tung« von Armin Lindauer und Betina Müller, das soeben im Niggli-Verlag erschienen ist. Gestalt­ung wird hier als Versuchs­aufbau verstan­den, dessen Achsen der Designer selbst festlegt und daraus resul­tierende Varia­tionen durch­spielt. Dieses Vorgehen ermöglicht über­raschende und unerwar­tete Ergeb­nisse. Zahl­reiche Bei­spiele aus unter­schied­lichen Bereichen veran­schau­lichen dieses Prinzip.


18.05.2015

 

Sil­ber beim Crea­tive Media Award 2014

Die drei­teilige Musik­band­reihe der Bläser­jugend Baden­-Württem­berg gewinnt Silber beim Inter­natio­nalen Creative Media Award 2014. Das Werk dient den Blas­musik­vereinen und Schulen Baden-­Württem­bergs als Lehr­werk und Einführung in die Musik­theorie und Praxis. Die drei Farben stehen für die verschie­denen Alters­stufen der jungen Leser. Der Kolumnen­titel zieht jeweils einen farbigen Faden durch jedes Kapitel. Dabei lockern und durchbrechen Illustra­tionen immer wieder den systema­tischen Aufbau von Text und Noten und erzählen kleine und große Geschichten. Farbig ausgezeich­nete Fremd­wörter inner­halb des Fließ­textes verbinden Text und Illustra­tion. Die Trenn­seiten sind mit Processing gestaltet.


22.12.2014

 

Orna­ment und Ver­bre­chen

Im Wien des begin­nenden 20ten Jahr­hunderts bringt Adolf Loos mit seinem berüchtigten Essay »Ornament und Verbrechen« die Anhänger des histori­sierenden Archi­tektur­stils zum Kochen — Gebäude, die aussehen wie Zuckertörtchen beherrschen Wiens Ring­straßen­archi­tektur und schmeicheln dem Kaiser.

Adolf Loos beschreibt das Ornament als unnützen Zierrat, der Arbeiter durch die Her­stellung des­selben unnötig versklavt und den Gegen­stand vorsätzlich verteuert. Er gesteht nur nützlichen Dingen Schönheit zu und konzentriert sich auf die Funktion der Sache selbst. Zur jener Zeit höchst umstritten, baut er das »Haus ohne Augen­brauen«, das als Vor­läufer der Moderne in die Geschichte eingeht.


26.08.2014

 

Re­launch der Web­site marek­slipek​.de

Der Relaunch der Website von marekslipek ist online und zeigt sich in neuem Corporate Design. Eine vereinfachte Benutzerführung erleichtert den Zugang über mobile Devices. Die Arbeits­proben sind auf einen Blick erfassbar.

Technologisch ist die Site auf dem neuesten Stand. Das Responsive Webdesign sorgt für eine dynamische Anpassung der Inhalte an die wachsende Anzahl von Devices — von Laptop über Tablet bis hin zu Smartphone steigt die Variations­breite an mobilen Endgeräten und Bildschirm­größen. Diese Heraus­forderung wird mit einer einzigen pflege­leichten Responsive Website abgedeckt.

Eine neue Hausschrift kommt medien­über­greifend als Webfont online und als Printfont offline in der Geschäfts­ausstattung zum Einsatz. Die Webfont-­Technologie stellt sicher, dass die Hausschrift auf allen Computer­systemen gleich dargestellt wird.


27.07.2014

 

Auszeich­nung beim TDC New York 2014

Lässt sich die Programmier­sprache Processing auch für Print­projekte einsetzen? Ja, und das mit Erfolg — wie die diesjährige Auszeichnung des Type Directors Club beweist. Die Plakatreihe, die anlässlich eines Hochschul­vortrags in Ko­opera­tion von Marek Slipek und Armin Lindauer entstand, wurde von der New Yorker Jury mit dem begehrten »Certificate of Typographic Excellence« honoriert.

Überzeugt haben Idee und kreative Umsetzung: Das Porträt des Hochschul­dozenten setzt sich aus zahlreichen kleinen Buchstaben zusammen — seine Initialen. Ein Algorithmus bestimmt die Position der Schriftzeichen. Dadurch sind dynamische Variationen möglich, sodass eine vielfältige Plakatreihe entsteht. Die Farbigkeit Rot-Grün-Blau kokettiert dabei auf originelle Weise mit dem Verhältnis zwischen digitalem Tool und analogem Produkt.

Der international renommierte Design­wettbewerb des Type Directors Club New York verzeichnete dieses Jahr über 2000 Einreichungen, wovon zehn Prozent prämiert wurden. Zu sehen sind die Gewinner-Arbeiten in globalen Wander­ausstel­lungen und im TDC-Jahrbuch. 



20.02.2014

 

 

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